Autoersatz?

Centurion Numinis im Test

SUV-E-MTBs versprechen die perfekte Mischung aus Alltagstauglichkeit und Offroad-Kompetenz. Wir haben ausprobiert, ob das Centurion Numinis R3000 EQ wirklich beides kann: im Alltag das Auto ersetzen und im Gelände Spaß machen – oder ob der SUV-Ansatz nur ein Marketing-Buzzword ist.

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Während SUVs im Automarkt oft für Überfluss stehen, verkörpern Bikes wie das Numinis das genaue Gegenteil: maximale Effizienz. Wer ein ready-to-ride ausgerüstetes SUV E-MTB zu Hause stehen hat, kann es tatsächlich im Alltag als Autoersatz nutzen. Und während des Tests waren wir erstaunt, wie schnell man mit so einem Bike alltägliche Gewohnheiten durchbricht.

Mit seiner Leichtigkeit als alltägliches Fortbewegungsmittel zieht das Centurion Numinis R3000 EQ seinen Joker gegenüber dem Auto. Im städtischen Verkehr zieht man an Autos vorbei, die an der Ampel stehen und parkt selbst in Altstädten direkt vor der Tür, wo man hin will. Anstatt die Lebenszeit bei der Parkplatzsuche zu verplempern, bewegt man sich mit so einem Bike im Alltag an der frischen Luft.

Schutzbleche, Lichtanlage und Seitenständer machen kurze Strecken im Alltag einfach und sicher und lassen einen selbst bei nasser Fahrbahn sauber ankommen. Der Bosch Performance CX Motor der fünften Generation liefert mit bis zu 700 Watt kräftige Unterstützung und hält damit Schweißausbrüche im Alltag zurück. Zur Einordnung: Ein Tour-de-France-Profi tritt mit ca. 400 Watt dauerhaft in die Pedale. An Power fehlt es dem Bike also nicht, aber hat das Konzept irgendwo dennoch einen Haken?

Centurion Numinis R 3000 EQ Test
Sexy Optik, sinnvolle Ausstattung - Wird das Centurion Numinis R3000 EQ den Erwartungen gerecht, die man an so ein SUV-Bike stellt?
SUV E-MTB Test
Schafft es den Spagat zwischen Fahrspaß bei sportlicher Nutzung ...
EMTB für Anhänger
...und Alltagstauglichkeit?

Motor, Akku & Effizienz

Der Bosch CX Power Update . Die Modulation ist feinfühlig, die Power jederzeit abrufbar. Perfekt für Alltagspendler, die entspannt, aber zügig unterwegs sein wollen. Für unsere Tests sind wir ständig auf sämtlichen Motoren unterwegs, aber es zeigt sich immer wieder. Bosch ist nicht umsonst der beliebteste E-Bike Motor Deutschlands.

Im Unterrohr des Centurion Numinis sitzt der größte Bosch-Akku, den es aktuell gibt: satte 800 Wh Kapazität hat der. Viele andere Hersteller, vor allem im City-Bereich, verbauen hier oft kleinere Akkus mit 500 oder 600 Wh. Centurion knausert hier nicht.

Bosch CX-Motor
Der Bosch CX Motor der 5. Generation ist Deutschlands beliebtester EMTB Motor. Und das zurecht!
Bosch Remote
Etwas klobig: Die Remote-Einheit zum steuern des Motors.
USB-Ladeport
Nice to have: Eine USB-C-Ladebuchse versteckt sich im Oberrohr.
Bosch Kiox 500
Das Kiox 500-Display ist groß und kann in Verbindung mit dem Handy sogar navigieren.

Mit dem 800-Wh-Akku schafft man:

  • ca. 50 km bei voller Unterstützung
  • über 100 km in Eco
  • etwa 2000 Höhenmeter, gemessen im EMTB-standardisierten Verfahren

Wir haben den Motor und auch die Reichweite des Motors in einem eigenen Video unter harten MTB-Bedingungen ausführlich getestet. Sicher interessant für alle, die vor einer Kaufentscheidung stehen:

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Der Akku lässt sich in unter einer Minute entnehmen. Ein echter Pluspunkt für Alltag, Urlaub oder den Winter. Denn so kann man den Akku im Warmen lagern oder beim Transport auf dem Heckträger des Autos einfach entnehmen.

Bosch PowerTube 800 Akku
Der 800-Wh-Akku lässt sich mit wenigen Handgriffen aus dem Unterrohr entnehmen.
Bosch Akkuschloss
Das Akkuschloss sichert den Energiespeicher gegen Diebstahl.

Komfort & Sicherheit im Alltag

Die Mountainbike-Komponenten sorgen für einen Komfort, den Trekkingräder kaum bieten: breite Reifen, solides Fahrwerk, starke Bremsen. Mehr Grip, kürzere Bremswege, weniger Platten und dadurch spürbar mehr Sicherheit.

Das verbaute ABS-System von Bosch (nur am Vorderrad) ist ein überraschend sinnvoller Alltagshelfer. Das System verhindert zuverlässig ein Blockieren des Vorderrads – selbst auf Schotter. Für sehr sportliche Fahrer, die auch in Schreckmomenten wissen, wie man die Bremse richtig dosiert, ist das ABS-System zum Teil überflüssig, für alle anderen ist es aber ein echtes Sicherheitsplus.

Kritisch sehen kann man die Technikdichte: großer Kiox 500 Screen und die umfangreiche Remoteeinheit mit ihren vielen Knöpfen überladen die Steuerzentrale etwas. Das erhöht das Risiko für Defekte und macht das Bike für Langfinger attraktiver. Für Pendler wäre weniger hier vielleicht mehr. Radreisende oder Tourenfahrer werden jedoch die Möglichkeit schätzen, dass man mit dem Kiox 500 Display in Kombination mit dem Handy sogar navigieren kann.

Bosch-ABS-System
Die ABS-Einheit wird auf das Gabelcasting montiert.
Bosch-ABS-Sensor
Die vordere Bremsscheibe hat außerdem eine zusätzliche Sensoreinheit.
Bosch ABS-Display
Nett: Das Display zeigt den theoretischen Bremsweg an und wie oft das ABS-System bereits ausgelöst hat.
Bosch-ABS-Einheit
Die Integration könnte etwas schöner sein.

Zuladung, Ergonomie & Alltagspraxis

Das zulässige Gesamtgewicht von 150 kg und die offizielle Anhängerfreigabe machen das Bike familientauglich. Eine spezielle Steckachse für den Anhänger muss jedoch nachgekauft werden. Der Gepäckträger wirkt stabil, ist aber auf 25 kg limitiert. Die Montage eines Kindersitzes ist mit einem eindeutigen Symbol auf dem Gepäckträger nicht empfohlen.

Die absenkbare Sattelstütze ist ein echter Alltagsgewinn: Dass man damit einfacher Auf- und Abstieg ist dabei nur der kleinste Vorteil. Die schnelle Höhenverstellung ermöglicht eine werkzeuglose Anpassung an unterschiedliche Fahrerinnen und Fahrer – goldwert, wenn das Bike im Alltag von mehreren Personen genutzt wird.

Die Sitzposition ist angenehm sportlich, aber nicht überzogen. Der Lenker sitzt nicht höher als der Sattel, wie man das von so manchem Citybike kennt. Der Charakter bleibt also MTB-nah, was auch den spontanen Abstecher ins Gelände möglich macht.

Gepäckträger
Der Gepäckträger wirkt stylisch und ist vor allem stabil gebaut.
Rückstrahler
Die Heckleuchte im Knight Rider Style ist perfekt integriert.
Frontleuchte
Die Frontleuchte liefert genügend Licht, um sicher durch den Straßenverkehr zu kommen.
Gepäckträger max Load
Offiziell darf der Gepäckträger nur mit 20 Kilo beladen werden. Wir haben schon mehr ausprobiert, und er ging trotzdem nicht kaputt.
Schutzblech vorne
Auch das vordere Schutzblech ist aus Blech und sehr stabil.

Trail-Performance: Überraschend vielseitig

Mit 140 mm Federweg und einem eher komfortorientierten, linearen Fahrwerk ist das Centurion Numinis R3000 EQ nicht als Trail-Shredder gedacht – aber leichte bis moderate Trails meistert es problemlos. Positiv:

  • Nichts klappert, selbst auf Wurzelpassagen.
  • Schutzbleche und Beleuchtung sind erstaunlich stabil.
  • Flowige Trails machen richtig Laune.

Einschränkungen gibt es natürlich:
In steilen Passagen kann man beim starken Absetzen hinter den Sattel an den Gepäckträger stoßen. Und wer das Bike sportlich umrüsten möchte, muss wissen, dass der Gepäckträger samt Lichtverkabelung nicht „mal eben“ abgebaut ist. Gelegentliche Abstecher auf leichte Trails machen Spaß. Den legendären 601 Trail am Gardasee wird niemand ernsthaft unter die Stollen nehmen wollen. Das bleibt dann doch eher das Revier des Centurion No Pogo Carbon im Test, das wir ebenfalls für euch getestet haben.

SUV E-MTB Test
Das Numinis kann eine sportliche Gangart im Gelände ab.
Centurion No Pogo Test
Wer im Gelände richtig Gas geben will, ist mit mehr Federweg, wie beim Centurion No Pogo besser beraten.
Centurion Numinis Erfahrungen
Über Wurzeln kommt das Bike trotz seiner Anbauteile ohne zu klappern.
Centurion SUV-Test
Auf leichten Trails hat das Numinis mehr Spaßpotenzial, als man es von einem Schutzblech-Bike erwarten würde.

Preis & Alternativen

Mit 6.899 € ist das R3000 EQ als Topmodell kein Schnäppchen. Wer auf ABS und Premium-Fahrwerk verzichten kann, sollte das Numinis R1000 EQ checken: gleicher Rahmen, gleicher Motor, gleicher Akku, aber 1.800 € günstiger. Für die meisten Alltagsfahrer dürfte es die sinnvollere Wahl sein.

Und natürlich kann man sich das Biker auch schönrechnen. Denn wenn man einen gefahrenen Autokilometer mit realen Kosten mit 50 Cent taxiert, dann muss man 14000 Kilometer mit dem Bike anstatt mit dem Auto im Alltag zurücklegen und ist dann quasi umsonst gefahren. 14000 Kilometer sind natürlich eine Menge, aber man kann die Rechnung durchaus so aufmachen.

Wie viel kosteneffizienter man mit so einem Bike anstelle eines Autos unterwegs ist, zeigt auch der Blick auf aktuelle E-Autos: Ein Akku vom Golf E ist rund 45-mal größer (36000 Wh) als der im Centurion, liefert im Alltag aber nur etwa 3-4 mal so viel Reichweite. Damit wird deutlich: Kurzstrecken sind und bleiben E-Bike-Terrain.

Centurion Numinis
Das Centurion Numinis R3000 EQ gibt es ab Werk auch ohne Schutzblech. Dann ist es 150 € günstiger, aber auch weniger praktikabel im Alltag.
Centurion No Pogo
Das Centurion No Pogo ist mit 170 mm Federweg das reinrassige MTB für harte Trails im Portfolio von Centurion.
Centurion No Pogo SL
Wer's leicht mag: Centurion hat auch das No Pogo SL für sportliche Fahrer im Angebot.

Pro

  • hoher Alltagskomfort
  • effizienter Autoersatz für Kurzstrecken
  • Leiser, kraftvoller Bosch CX-Motor
  • Großer Akku mit echter Langstreckenfähigkeit
  • Stabile Schutzbleche & Lichtanlage

Contra

  • Preislich im oberen Segment
  • Gepäckträger nur für 25 kg freigegeben
  • Display/Remote wirken überdimensioniert.
  • Hohes Technik-Level birgt Defektrisiko
Centurion Numinis Fazit

Fazit zum Centurion Numinis Test

Das Centurion Numinis R3000 EQ ist ein Bike, das den Alltag wirklich erleichtert, kurze Autofahrten ersetzt und dabei komfortabel, sicher und effizient bleibt. Gleichzeitig überrascht es im Gelände mit mehr Fahrspaß als erwartet, solange man keine sportlichen Wunder erwartet.

Es ist kein Shredder, kein Leichtbauwunder und kein minimalistisches Commuter-Bike. Aber es ist ein ehrlicher, zuverlässiger Alltagsheld, der ohne Drama funktioniert und sowohl Pendeln als auch Wochenendtouren beherrscht.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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