Preis-Leistungs-Referenz?

Test: Conway Xyron S Fix

Lange Zeit schien es, als könnten im Preisbereich unter 5.000 Euro nur Versender wie Canyon oder Rose wirklich potente E-MTBs liefern. Doch Conway bläst zum Angriff: Mit dem Xyron S Fix schicken die Niedersachsen ein Bike ins Rennen, das mit Bosch CX Gen 5, moderner Geometrie und einem Gewicht unter 24 Kilo die etablierte Konkurrenz unter Druck setzt.

Youtube Video

Während viele Hersteller versuchen, ihre High-End-Modelle durch günstigere (und oft schwere) Komponenten „abzuspecken“, geht Conway einen anderen Weg. Das Xyron S Fix basiert auf einer eigenständigen Plattform. Der Clou: Der Akku ist fest im Unterrohr verbaut. Das spart Gewicht und Kosten, erfordert aber eine Steckdose am Abstellort des Bikes.

Mit einem Einstiegspreis von 4.000 Euro (unser Testbike liegt bei 5.000 Euro) positioniert sich Conway deutlich unter den Aluminium-Modellen von Specialized (Levo ab 5.999 €) oder Santa Cruz (Vala ab 6.000 €).

Conway Xyron S Fix Test
Das Xyron S Fix kostet unter 5000 € kommt aber ausgesprochen schick daher. Steckt hinter dem Bike mehr als eine gelungene Optik?

Geometrie und Fahrwerk: High-End-Gene für die Mittelklasse

Ein großer Pluspunkt des Xyron S Fix ist die Geometrie. Sie ist zu 100 % deckungsgleich mit dem deutlich teureren Carbon-Topmodell Xyron LT.

  • Lenkwinkel: 64 Grad (ausgeglichen durch eine spezielle Steuersatzschale trotz 160-mm-Gabel).
  • Sitzwinkel: Steile 77 Grad für exzellente Klettereigenschaften.
  • Laufräder: Reine 29-Zöller sorgen für Laufruhe, verzichten aber auf die Agilität von Mullet-Setups (27,5" hinten).
  • Kettenstreben: Mit 453 mm recht lang, was viel Druck auf das Vorderrad bringt, in engen Kehren aber Nachdruck erfordert.
Conway Xyron S Fix Test
Bei der Geometrie setzt Conway sowohl beim Einstiegsmodell, als auch beim Topmodell auf exakt dieselben Werte.
Conway Xyron LT 11 Test
Wir hatten das Conway Xyron LT 11 für 9000 € bereits im Test und dort wusste die Geometrie bereits zu überzeugen.
Enduro EMTB Test
Mit 160 mm Federweg will das Conway Xyron S Fix mehr als nur zum Biergarten Radln.

Der Antrieb: Bosch CX Gen 5 als Benchmark

Der neue Bosch CX Motor ist das Herzstück des Bikes. Mit über 600 Watt Peak-Leistung und einem extrem dynamischen Ansprechverhalten lässt er die Konkurrenz von Shimano (EP801) oder Yamaha in Sachen Software-Abstimmung hinter sich.

Besonders hervorzuheben ist das Kiox 400 Display. Dank GPS-Track-Navigation bietet es einen echten Mehrwert auf Touren. In unserem Reichweitentest knackte das System die 1.600 Höhenmeter (bei 100 kg Systemgewicht und maximaler Unterstützung) – ein respektabler Wert für den 600-Wh-Akku. Wer mehr braucht, kann den Bosch PowerMore Range Extender (+250 Wh) nachrüsten.

Für die Hörprobe empfehlen wir das Video aus dem Artikel. Der neue Motor ist deutlich leiser als sein Vorgänger. Das berüchtigte Klappern im Trail-Betrieb gehört beim Xyron S Fix der Vergangenheit an.

Bosch CX Gen 5
Kann das Conway Uphill Flow?
Bosch CX Gen 5
Dank leistungsstarkem Bosch CX Gen 5 Motor klettert das Xyron S Fix exzellent.
Bosch Kiox 400 C
Das Kiox 400 C Display im Oberrohr ist in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.
Conway Ladebuchse
Der Akku ist fest im Unterrohr verbaut. Strom kommt nur über die Ladebuchse ins System.
Bosch Mini Remote
Der Bosch Mini Remote fügt sich dezent in die Optik des Bikes ein.

Ausstattung: Clevere Wahl mit kleinen Kompromissen

Conway hat das Budget dort investiert, wo es die Performance spürbar verbessert:

  • Bremsen: Die Magura Gustav Pro überzeugt mit massiver Verzögerung und guter Ergonomie. Ein echter Sicherheitsgewinn.
  • Schaltung: Die mechanische SRAM Eagle 90 (12-fach) ist robust und bietet 520 % Bandbreite. Ein Highlight für Vielfahrer: Die kleinen Ritzel der Kassette lassen sich einzeln tauschen – das spart bei Verschleiß bares Geld.
  • Fahrwerk: Die Fox Rhythm Gabel arbeitet sensibel, stößt aber bei harten, schnellen Schlägen im Grenzbereich an ihre Grenzen. Der Dämpfer im Heck ohne Ausgleichsbehälter kann bei sehr langen Abfahrten (> 150 hm am Stück) hitzebedingt etwas Performance einbüßen.
Sram Eagle 90
Conway setzt auf eine mechanische Schaltung, und zwar auf die beste, die es zurzeit gibt. Die SRAM Eagle 90 T-Type hat vor Kurzem erst unseren Editors Choice Award abgeräumt.
Magura Gustav Pro
Maguras Gustav Pro Bremsen kommen etwas bullig daher, sind aber echte Wurfanker im Gelände.
Fox 36 Rythm
Conway setzt auf ein Fox Fahrwerk. Die 36er Gabel entstammt der günstigeren Rythm-Baureihe.
Fox DPS Dämpfer
Am Heck kommt ein kleiner Fox Float Dämpfer ohne Ausgleichsbehälter zum Einsatz.

Auf dem Trail: Laufruhe trifft Sicherheit

Dank des Gewichts von unter 24 kg und des tiefen Schwerpunkts fühlt sich das Xyron S Fix sofort vertraut an. Es ist kein nervöses Spielzeug, sondern ein Laufruhe-Monster. In schnellen, offenen Kurven liegt es satt auf dem Trail und vermittelt viel Vertrauen.

In engen Sektionen macht sich die Länge der Kettenstreben bemerkbar – hier muss der Fahrer aktiv arbeiten. Die Continental-Reifen sind im Trockenen tadellos, bei Nässe empfiehlt sich jedoch ein Upgrade auf ein Modell mit mehr Grip an der Front.

Conway Xyron Test
Conti Magnotal Test
Etwas unpassend: Für ein 160 mm Bike bräuchte man Reifen mit mehr Grip als die verbauten Magnotal Schlappen von Conti.
Conway EMTB unter 5000 €
Das Conway Xyron S Fix schreckt nicht vor hartem Gelände zurück.

Pro

  • Herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • State-of-the-Art Motor (Bosch Gen 5)
  • Sehr saubere Verarbeitung (verschlieffene Schweißnähte)
  • Erwachsene Geometrie

Contra

  • Akku nicht entnehmbar
  • Reifenwahl für nasse Bedingungen suboptimal
  • Dämpfer bei langen Abfahrten mit Hitzeentwicklung
Conway Xyron S Fix
Schön, bezahlbar, durchdacht. Conway weiß, wie man sinnvolle Bikes auf die Laufräder stellt, und bietet dem Onlinehandel mit attraktiven Preisen die Stirn.

Fazit: Fachhandel schlägt Versender-Preis?

Conway beweist, dass man kein Versender-Bike kaufen muss, um maximale Performance für unter 5.000 Euro zu erhalten. Das Xyron S Fix ist die perfekte Wahl für alle, die ein potentes E-Enduro suchen, aber den Service und die Beratung eines lokalen Fachhändlers nicht missen wollen. Es ist ein ehrliches Bike ohne echte Schwächen.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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