EMTB unter 2500 €: Deruiz Dolomit im Test
Das Deruiz Dolomit positioniert sich als kraftvolles Hardtail im preislich umkämpften Einsteigersegment. Mit einem Gobao-Antrieb und einem Fokus auf Reichweite und Power zielt es weniger auf technische Singletrails als vielmehr auf die Rolle als robustes Arbeitstier für Touren und den anspruchsvollen Alltagseinsatz.
Antrieb & Energie: Das Kraftpaket aus Fernost
Das Herzstück des Deruiz Dolomit ist der 48-Volt-Antrieb von Gobao, dessen Hardware-Basis auch in deutlich teureren Bikes von Aventon oder Hepha zum Einsatz kommt. In Sachen Vortrieb deklassiert dieser Motor selbst namhafte Aggregate wie den Bosch CX Gen 5, da er bereits bei minimalem Eigeninput massiven Schub generiert. Wir sprechen hier von Unterstützungswerten über 800 Watt, bei lediglich 150 Watt, die man über die Pedale selbst liefern muss. Auch das Drehmoment ist mit 110 Nm mehr als ausreichend bei diesem Motor. Diese Charakteristik macht das Bike besonders für Fahrer interessant, die eine kräftige Unterstützung ohne hohe Eigenleistung bevorzugen. Auch der Einsatz mit Kinderanhänger ist für dieses Bike sprichwörtlich ein Kinderspiel.
Die meisten Hersteller arbeiten mit einer relativ niedrigen Netzspannung von 36 Volt. Das Gobao System setzt hier auf 48 Volt und kann deshalb vor allem bei der Effizienz punkten. In Kombination mit dem großzügigen 720-Wh-Akku sorgt das für überdurchschnittliche Reichweiten. Touren mit 80 Kilometer sind kein Problem. Bei der Nutzung für alltägliche Strecken muss man wochenlang nicht nachladen. Das ist sehr angenehm. Dass der Motor bauartbedingt bei Abfahrten hörbar klappert, trübt den Qualitätseindruck in technischem Gelände etwas, ist in dieser Preisklasse jedoch ein Kompromiss, den viele Nutzer zugunsten der Power eingehen dürften. Das Klappergeräusch tritt nur im Gelände auf, wenn man das Bike mit Erschütterungen vom Untergrund konfrontiert.
Ausstattung & Labor: Zweckmäßig mit Schattenseiten
Die Wahl der Komponenten zeigt ein klares Bild: Funktion vor Prestige. Die Shimano Cues 11-fach Schaltung gilt als extrem verschleißarm und ist prädestiniert für die hohen Kettenzugkräfte eines starken E-Motors. Auch die Tektro-Bremsanlage mit vier Kolben (vorne) bietet nominell hohe Verzögerungswerte, offenbarte im Test jedoch Schwächen in der Materialgüte; die Bremshebel sind aus relativ weichem Alu gefertigt und neigen bei Stürzen oder einem Umfallen des Bikes schnell zum Verbiegen.
Ein deutliches Tuningpotenzial birgt die fehlende Teleskopsattelstütze, die heutzutage selbst an Einsteiger-Hardtails zum Standard gehören sollte, um die Sicherheit im Gelände und den Komfort beim Auf- und Absteigen zu erhöhen. Leider liefern das aber auch die meisten Konkurrenten in dieser Preisklasse nicht. Zudem sorgt die etwas eigenwillige Zugverlegung im Steuerrohr-Bereich und ein sich regelmäßig lockernder Seitenständer für Abzüge in der B-Note der Verarbeitungsqualität.
Fahrverhalten: Souveräner Tourer statt Trail-Räuber
In der Fahrpraxis wird schnell deutlich, dass die Bezeichnung „Mountainbike“ beim Dolomit eher als Kategorisierung für die Robustheit zu verstehen ist. Mit einem Gewicht von über 26 Kilogramm und einem starren Heck fehlt es dem Bike an der Agilität für enge Singletrails. Auf Schotterwegen und Waldautobahnen liegt es hingegen satt auf und vermittelt durch die breiten Felgen und Reifen viel Sicherheit. Auch die Bremsanlage liefert genügend Power, um jederzeit schnell zum Stehen zu kommen.
Geht es steil bergab, limitiert die hohe, fixe Sattelstütze den Bewegungsspielraum massiv. Das Dolomit glänzt stattdessen als Lastenesel: Dank des hohen Drehmoments zieht es Kinderanhänger oder schwere Einkäufe mühelos weg. Es ist ein Bike für den „Daily Driver“ oder gemütlichen Tourer, der eine zuverlässige und kraftvolle Verbindung von A nach B sucht, ohne sich um filigrane Technik sorgen zu müssen.
Pro
- starker Motor mit hoher Unterstützung
- Hohe Reichweite dank effizientem 48V-System und 720 Wh Akku
- Robustes Gesamtkonzept mit langlebiger Shimano Cues Gruppe.
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Akku für externes Laden leicht entnehmbar
Contra
- hohes Gewicht von über 26 kg
- keine Variostütze ab Werk verbaut
- Motorgeräusche (Klappern) in der Abfahrt
- eingeschränkte Größenauswahl (nur zwei Rahmengrößen)
- Anbauteile wie Seitenständer und Bremshebel mit Schwächen
Fazit
Das Deruiz Dolomit ist kein Präzisionsinstrument für den Trail, sondern ein Kraftprotz für den Alltag. Wer maximale Motorpower zum minimalen Preis sucht und ein ehrliches Touren-Hardtail benötigt, wird hier fündig. Dieses EMTB ist keine Billigware, sondern ein wertiges Produkt, das für 2399 € in einer Preisklasse spielt, wo diese Aussage nicht immer gilt. Und vor allem in einer Preisklasse, wo sich viele Marken schwer tun, gute Produkte anzubieten. Unser Tipp: Wir würden eine Teleskopstütze nachrüsten.






