Neuer Motor aus Stuttgart

Mahle M40 im Test

Der Mahle M40 ist ein Kraftpaket, das mit über 800 Watt Spitzenleistung die Platzhirsche von Bosch und Shimano nicht nur herausfordert, sondern auf dem Papier alt aussehen lässt. Wir haben getestet, ob der M40 die neue Benchmark für Full-Power-E-MTBs ist.

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Bei hochwertigen Nabenmotoren für E-Gravel und hochwertige Citybikes ist Mahle Marktführer, und auch bei Mittelmotoren haben sich die Stuttgarter schon echte Lorbeeren verdient. Denn der Motor des Specialized Levo SL kam von Mahle. Die Partnerschaft mit den Amerikanern ist inzwischen aber ausgelaufen, und das dürfte einer der Gründe sein, warum Mahle jetzt unter eigenem Label auf den Markt drängt.

Damit unterstreicht Mahle, dass der Markt für EMTB-Motoren aktuell maximal im Umbruch ist. Gobao, Maxon, Avinox… alle wollen dem deutschen Platzhirsch Bosch die Marktanteile abknapsen. Das treibt die Entwicklungsgeschwindigkeit nach oben. Kann der Mahle M40 in diesem kompetitiven Umfeld bestehen?

Mahle M40 Test
Mahle ist für Nabenmotoren bekannt, will mit dem M40 aber auch im Mittelmotor-Markt Fuß fassen.
Mahle M40 Erfahrung
Der Mahle M40 ist kein Zwerg beim Baumaß, hat dafür aber Power ohne Ende.
Mahle M40 Display
Das Display des Systems ist im Oberrohr integriert. Mahle will vor allem mit neuen Smart-Features wie der Traktionskontrolle punkten.

Mahle liefert Leistung satt

Der aktuelle Trend ist klar: Der Markt fordert mehr Leistung, und Mahle liefert. In unserem standardisierten Testverfahren entlockten wir dem M40 satte 810 Watt Output (bei 180 W Input). Damit schiebt der M40 deutlich kräftiger an als ein Bosch CX der 5. Generation (~700 W) und spielt in einer Liga mit dem Specialized 3.1. Das Avinox M1-System kann noch mehr leisten, aber wenn man ehrlich ist, bewegt man sich dann in einem Bereich, der in der Praxis oftmals nicht mehr relevant ist.

Mahle M40 Max. Leistung
Leistungstechnisch spielt der Mahle M40 in der obersten Liga.

Der M40 in Zahlen (1.000 Hm Uphill-Check):

  • Mahle M40: 21 Minuten
  • Bosch CX Gen 5: 25 Minuten
  • Shimano EP801: 28 Minuten
EMTB-Motoren Test
Wir ermitteln all unsere Werte zur Reichweite und Motorpower auf unserer standardisierten Teststrecke auf Asphalt mit Einheitsreifen, 100 Kilo Systemgewicht und Wattmesspedalen, um den Input zu kontrollieren.

Besonders beeindruckend: Der M40 benötigt kaum Eigenleistung, um seine Muskeln spielen zu lassen. Schon bei geringem Input schiebt er massiv an und erreicht sein Leistungsmaximum bereits bei einer sportlichen, aber gut fahrbaren Trittfrequenz von 85 Umdrehungen pro Minute. Vor allem Shimano-, maxon- oder Avinox Motoren brauchen deutlich mehr Trittfrequenz, um ihre volle Leistung freizugeben. Bosch schafft das mit dem CX Gen 5 dagegen schon um die 70 Umdrehungen pro Minute an der Kurbel.

Mahle M40 Leistungsentfaltung
Der Mahle M40 braucht wenig Inputleistung, um seine Muskeln zucken zu lassen.
Mahle M40 Leistungsentfaltung
Ab 85 Umdrehungen pro Minute an der Kurbel gibt der Motor seine volle Leistung frei.

Reichweite & Effizienz: 48-Volt-Vorteil?

Trotz der spürbaren Mehrleistung gegenüber der Bosch-Konkurrenz überrascht der M40 bei der Ausdauer. Mit dem 800-Wh-Akku (Gewicht: ca. 3.900 g) erreichten wir in der höchsten Stufe 1.952 Höhenmeter. Weitere 170 Höhenmeter spult der Motor mit deutlich reduzierter Leistung ab.

Das ist nahezu deckungsgleich mit dem Bosch-System (800 Wh), obwohl der Mahle-Fahrer deutlich schneller am Gipfel ist. Ein Grund für diese Effizienz ist das 48-Volt-System, das im Vergleich zu klassischen 36-Volt-Systemen geringere Leitungsverluste aufweist. Zudem scheint der Motor perfekt auf Kadenzen um die 80 U/min optimiert zu sein.

Reichweite Mahle vs. Bosch
Trotz üppigster Power schneidet der Mahle M40 beim Thema Reichweite auf Augenhöhe mit dem schwächeren Bosch CX Gen 5 ab.
Motoren-Reichweiten-Test
Unsere Reichweite ermitteln wir immer auf Asphalt. Im Trail oder auf Schotter sinkt die Reichweite etwas.

Smart-Features: Mehr als nur rohe Gewalt

Mahle schickt den M40 mit einem Software-Paket ins Rennen, das echtes Offroad-Know-how zeigt. Besonders die Traktionskontrolle sticht hervor:

  • Präzision: Über eine Rasterscheibe am Hinterrad mit 42 Messpunkten erkennt das System Schlupf sofort. Das ist deutlich genauer als ein Speichenmagnet, wie ihn z.B. die Systeme von Bosch haben.
  • Funktion: Erkennt der M40 ein durchdrehendes Rad, reduziert er das Drehmoment und verlagert die Lastspitzen in den „toten Punkt“ der Kurbelbewegung. Das Ergebnis: Spürbar mehr Grip auf rutschigen Uphill-Sektionen – ein echter Sicherheitsgewinn für Einsteiger.
Mahle M40 Traktionskontrolle
Die Traktionskontrolle kommt im Gelände vor allem bei Feuchtigkeit oder Wurzeln zum Zug und hilft durch das Regulieren, den Uphill-Flow zu erleben.
Motor-Sensorik
Die Sensorscheibe am Hinterrad hat 42 Löcher, misst aber auch die Stege zwischen den Löchern. Pro Radumdrehung stehen so 84 Messpunkte für die Motorsteuerung zur Verfügung.

Weitere Highlights:

  • Dynamic Overrun: Der Motor schiebt nach dem Treten intelligent nach. Wer abrupt aufhört (z.B. vor einem Hindernis), bekommt einen stärkeren Kick, um über das Hindernis zu „rollen“. Lässt man die Kurbeln langsam ausgleiten, fadet auch die Motorleistung im Nachschub ganz sachte aus.
  • Auto-Hold: Steht man im steilen Hang, verriegelt der Motor das Bike gegen Zurückrollen. Hände weg vom Bremshebel – das Bike steht sicher.
  • Kein App-Zwang: Ein echtes Alleinstellungsmerkmal! Alle Features und Leistungsstufen lassen sich direkt über das Display-/Controller-Menü konfigurieren.
Mahle Auto Hold
Autohold ist ein unaufdringliches Feature, das man im Trailalltag aber zu schätzen lernt.
Mahle Auto Hold
Denn so kann man auf dem Trail die Hände von der Bremse nehmen, ohne dass das Bike rückwärts rollt.

Motorgeräusch

Wo Licht ist, ist auch Schatten – oder zumindest ein Geräusch. Der M40 ist im Uphill jederzeit präsent. Mit steigender Trittfrequenz wird der Ton hochfrequenter, bleibt aber im Rahmen der üblichen Full-Power-Motoren.

Bergab zeigt der Mahle ein für Mittelmotoren typisches Zahnradrasseln. Es ist nicht so penetrant wie das berüchtigte Klappern eines Shimano EP801, aber auf dem Trail dennoch deutlich hörbar.

Mahle Uphill
Im Gelände ist der Motorsound nicht extrem aufdringlich, aber hörbar.

Gewicht im Klassenvergleich

Mahle positioniert den M40 als sportliches System. Mit 2.700 Gramm ist der Motor rund 200 Gramm leichter als ein Bosch CX, aber deutlich kräftiger als echte Light-Motoren wie der Maxon Drive Air S.

Motor Gewicht Max. Output (Test)
Mahle M40 2,7 Kilo Über 800 Watt
Bosch CX Gen 5 2,9 Kilo über 700 Watt
Maxon Drive Air S 2,1 Kilo ca. 500 Watt
Gewicht Mahle M40
Wir ermitteln all unsere Gewichte immer selbst.
Gewicht Bosch CX Gen 5
Der Bosch CX Gen 5 ist 100 Gramm schwerer.
Gewicht Mahle M40 Akku
Beim Akku spart Mahle nochmal ca. 80 Gramm gegen Bosch.
Gewicht Bosch PowerTube
Der Bosch Powertube 800 ist kein Leichtgewicht.
Gewicht DJI Motor
Die Full Power Benchmark beim Gewicht: Der Avinox M1
Avinox Akku Gewicht
Auch beim Akku ist Avinox bei vergleichbaren 800 Wh etwas leichter als die Konkurrenz.

Wo ist der Motor verbaut?

Verbaut ist er aktuell bei kleineren Herstellern wie Kristall, Abums oder Kraftstoff. Mahle führt alle Modelle mit ihrem Motor auf der eigenen Homepage über eine Filterfunktion. Wer bereits eines dieser Räder besitzt, kann den Motor ab sofort über die App kostenfrei updaten. Über das Software-Update bekommen auch bereits ausgelieferte Motoren die Funktionen wie die Traktionskontrolle oder den Auto-Hold freigeschaltet.

Kristall Bike
Aktuell steckt der Mahle Motor in Bikes kleinerer Hersteller wie z. B. Kristall.

Pro

  • Leistungsstark
  • Effizient
  • pragmatisch in der Bedienung
  • gut funktionierende Smart-Features

Contra

  • Nur in wenigen Modellen erhältlich
  • hörbar
Fazit: Mahle M40 Motortest

Fazit: Der deutsche Herausforderer

Der Mahle M40 ist ein Statement. Er bietet mehr Power als der Bosch CX Gen 5, kombiniert das mit hoher 48-Volt-Effizienz und einer Bedienlogik, die den Nutzer nicht zum Smartphone-Sklaven macht. Der erste eigene Mittelmotor von Mahle leistet sich keine Schwächen und zeigt sich in der Handhabung pragmatisch. Wer ein sorgloses Powerhouse sucht, das nicht nur auf Asphalt, sondern auch im Gelände abliefert, bekommt das mit dem Mahle M40.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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