Revolution oder nur ein Hype?

Amflow PX im Test

Mit dem Amflow PX betritt ein Player die Bühne, der die etablierte Konkurrenz technisch unter Zugzwang setzt. Während viele Hersteller sich in inkrementellen Updates verlieren, liefert Amflow eine Kombination aus Rekordgewicht und Motor-Performance, die bisher als physikalisch unmöglich galt.

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Es ist selten, dass ein neues E-MTB den Markt so nachhaltig elektrisiert wie das PX. Das liegt nicht nur an den nackten Zahlen auf dem Papier, sondern an der technischen Tiefe, mit der hier Leichtbau und brachiale Unterstützung verheiratet werden. Wir haben das Bike jenseits des Hypes analysiert: Vom Steifigkeitsprüfstand bis zur detaillierten Kinematik-Simulation – das Amflow PX musste zeigen, ob es die hohen Erwartungen in der Praxis halten kann.

Bevor wir in die Tiefe der Laborwerte eintauchen, werfen wir einen Blick auf die Eckdaten des Testbikes. Das Amflow PX positioniert sich als High-End-Allrounder mit Trail-Fokus.

Amflow PX und Amflow PL
Der Vorgänger (links) war schon eine Ansage. Kann das neue Amflow PX (rechts) da noch mal einen draufsetzen?
Amflow PX Test
Unser Praxistest mit dem Amflow PX ist ausgeufert.
Amflow PX Erfahrung
Wir haben das Bike in der Werkstatt aber auch komplett zerlegt und vergleichbare Steifigkeits-, Leistungs- und Reichweitenwerte ermittelt.

Gewichtsrevolution: Wie das Amflow PX die 21-Kilo-Marke unterbietet

Die Waage lügt nicht: Mit 20,9 Kilogramm in Rahmengröße L definiert das Amflow PX die Gewichtsklasse der Full-Power E-MTBs neu. Zum Vergleich: Bisher galten Bikes wie das Pivot Shuttle AM mit rund 22 Kilo als extrem leicht. Die meisten Mitbewerber wie das Specialized Levo, das Orbea Wild oder das YT Decoy pendeln sich eher im Bereich zwischen 23 und 24 Kilogramm ein.

Besonders bemerkenswert ist dieses Gewicht, da Amflow keine Mogelpackung liefert. Statt auf anfällige Leichtbaureifen zu setzen, rollt das Bike auf massiven Schwalbe Radial-Reifen, die allein fast drei Kilo auf die Waage bringen.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt im Rahmen. Mit einem Eigengewicht von nur 2.400 Gramm bewegt sich das Carbon-Chassis fast auf dem Niveau moderner Enduro-Bikes ohne Motor. Ein Blick in das Innere des Rahmens offenbart eine Verarbeitungsqualität, die den Premium-Anspruch unterstreicht. Die Faserstrukturen sind glatt und harzfrei ausgeführt, was nicht nur Gewicht spart, sondern auch die strukturelle Integrität erhöht.

Amflow PX Gewicht
Neue Benchmark an der Waage.
Amflow PX Gewicht
Unter 21 Kilo mit Schwalbe-Radialreifen und 700-Wh-Akku. Wer braucht da noch light EMTBs? (ohne Pedale)

Verarbeitung und Steifigkeit des Amflow PX

In der detaillierten Labor- und Praxisanalyse überzeugt das Amflow PL durch eine Fertigungsgüte, die im Segment der Leichtbau-E-MTBs nicht immer gegeben ist. Während günstigere Carbon-Rahmen oft durch unsaubere Laminate im Inneren enttäuschen, offenbart der Blick in den Amflow-Rahmen eine tadellose Verarbeitung ohne Harzanhäufungen oder abstehende Fasern. Besonders servicefreundlich präsentiert sich die klassische Leitungsführung über Eingänge am Steuerrohr statt durch den Steuersatz – ein konstruktiver Ansatz, der Wartungsarbeiten auch für Laien handhabbar macht. Lediglich ein fehlender Schaumstoffüberzug im Bereich des Steuerrohrs trübte initial die Akustik, was sich jedoch durch ein einfaches Upgrade beheben ließ und in einer souveränen Laufruhe auf der Abfahrt resultierte.

Jenseits der Optik untermauern unsere Daten vom Steifigkeitsprüfstand den subjektiven Eindruck einer außergewöhnlichen Fahrpräzision. Bei der Messung der zentralen Rahmensteifigkeit via Tretlager-Krafteinleitung deklassiert das Amflow deutlich massivere Konkurrenten: Modelle wie das Specialized Levo R oder das Haibike Hybe weisen eine um 26 Prozent höhere Auslenkung auf. Dass das Amflow trotz seines geringen Eigengewichts ein Niveau erreicht, das sonst nur „Baller-Boliden“ wie dem Specialized Levo 4 oder massiven Aluminium-Konstruktionen vorbehalten ist, liegt primär an der durchdachten Hinterbaukonstruktion. So sind beispielsweise die Horst-Link-Lager beidseitig in der Kettenstrebe abgestützt, was Verwindungen effektiv minimiert. In Kombination mit einem direkt abgestimmten Hinterbau, der viel Gegendruck und eine gesunde Endprogression bietet, übersetzt das Amflow Fahrerimpulse ohne spürbaren Versatz direkt in Richtungsänderungen.

Amflow Rahmen-Qualität
So sieht das Amflow PX von innen aus.
Amflow Rahmen-Qualität
Vor allem im Bereich des Steuerrohrs ist der Rahmen im Inneren extrem sauber verarbeitet.
Amflow Leitungsführung
Leitungsführungen durch den Rahmen erleichtern die Arbeit, wenn mal ein Service anfällt.
Amflow Steifigkeit
Wir haben einen Steifigkeitsprüfstand genutzt, um dem größten Kritikpunkt an Amflows Bike auf die Schliche zu kommen.
Amflow Steifigkeit
Wir ermitteln die zentrale Rahmensteifigkeit. Bei einer Krafteinleitung über das Tretlager wird die Auslenkung in diesem Bereich gemessen.
EMTB Steifigkeit
Trotz Rahmengewicht unter 2500 Gramm und filigraner Optik liegt das Amflow PX auf unserem Prüfstand gleichauf mit deutlich dickeren Bikes wie z. B. dem Specialized Levo 4.

Avinox M2S & 700 Wh Akku: Performance-Werte jenseits der Norm

Herzstück des PX ist das Avinox M2S System. Mit einer Spitzenleistung von bis zu 1.300 Watt im Boost-Modus distanziert der Motor jeden aktuellen Mitbewerber. In unserem Belastungstest unter Extrembedingungen zeigte sich das thermische Management als exzellent. Trotz der enormen Leistungsabgabe zwangen die integrierten Kühlrippen das System zu keinem Zeitpunkt in ein hitzebedingtes Derating.

In puncto Reichweite liefert der 700-Wh-Akku solide Werte. In unserem genormten Testzyklus erreichte das Bike knapp 1.900 Höhenmeter. Die letzten 150 davon fährt es nur noch mit reduzierter Leistung. Der Clou ist jedoch die Zeitkomponente: Das Amflow PX bewältigt 1.000 Höhenmeter in nur 17 Minuten – ein Wert, den herkömmliche Systeme nicht ansatzweise erreichen. Für Langstreckenfahrer bietet Amflow zudem einen 600-Wh-Range-Extender an.

Avinox Reichweite
Die Reichweite liegt trotz deutlich mehr Power auf dem Niveau, das man von einem 700 Wh Akku auch bei anderen Herstellern erwarten kann. Wir haben 1900 hm in unserem Test bei voller Unterstützungsstufe geschafft.
Avinox Leistung
1000 Höhenmeter packt das Amflow PX im Turbo in nur 17 Minuten. So schnell ist keiner.
Avinox Motor Detail
Der neue Avinox M2S Motor hat die gleiche Form und Motoraufnahme wie der M1 Motor und kann auch nachgerüstet werden.
Avinox Kühlrippen
Kühlrippen an der Unterseite des Motors sorgen dafür, dass der Avinox M2S trotz üppiger Leistung nicht ins Derating gerät.
Avinox Sound
Bekannte Optik, neues Leistungsniveau. Und vor allem neuer Sound. Der Avinox M2S Motor ist deutlich leiser geworden.
Deratingtest
Wir haben einen Deartingtest mit Anhänger und über 150 Kilo Systemgewicht gemacht. Ergebnis: Das Amflow PX geht auch bei üppiger Zuladung und voller Leistung nicht in die Knie.

Fahreindruck: Agilität auf dem Singletrail

Auf dem Trail profitiert das Amflow PX massiv von seinem Mullet-Setup und dem niedrigen Schwerpunkt. Das 27,5-Zoll-Hinterrad sorgt in Kombination mit dem geringen Gesamtgewicht für eine überragende Agilität, die man sonst nur von Light-E-MTBs kennt. Das Bike lässt sich spielerisch über Wurzelteppiche heben und zirkelt willig durch enge Kehren.

Im Uphill hingegen zeigt der Motor seine Krallen. Die enorme Power erfordert eine aktive Gewichtsverlagerung nach vorne, belohnt dann aber mit einer Steigfähigkeit, die aktuelle Benchmarks wie das Santa Cruz Vala herausfordert. Wir empfehlen in steilen Sektionen die Nutzung der langen Kettenstreben-Einstellung über den Flip-Chip, um die Balance zwischen Traktion und Steigfähigkeit optimal zu halten.

Action Singletrail
Geiles Gewicht, geiles Handling. Amflow liefert auf dem Singletrail ab.
Kurvenverhalten Mullet
Auch im rumpeligen Gelände muss das Amflow PX nicht zurückstecken.
Amflow Klettereigenschaften
Kurz vor senkrecht. Kein Problem für das Amflow PX.

Pro und Contra: Das Amflow PX im Überblick

Pro

  • Branchenführendes Verhältnis von Gewicht zu Leistung
  • Extrem steifer und hochwertig verarbeiteter Carbonrahmen
  • Brachiale Uphill-Performance durch 1.300 Watt Boost

Contra

  • Hoher Kettenverschleiß durch massive Motorleistung
  • Klappernde Leitungen im Steuerrohr ab Werk
  • Range Extender optisch nicht optimal integriert
Amflow PX Fazit
Bike to Beat. Aktuell legt Amflow die Benchmark auf ein noch nie dagewesenes Niveau.

Fazit: Die neue Benchmark im E-MTB-Sektor

Das Amflow PX ist eine technische Ansage. Mit einem Gewicht von unter 21 Kilogramm bei gleichzeitig brachialer Motorleistung realisiert Amflow das, was viele für unmöglich hielten. Es verschiebt die Messlatte für die gesamte Branche nach oben.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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