Amflow PX im Test
Mit dem Amflow PX betritt ein Player die Bühne, der die etablierte Konkurrenz technisch unter Zugzwang setzt. Während viele Hersteller sich in inkrementellen Updates verlieren, liefert Amflow eine Kombination aus Rekordgewicht und Motor-Performance, die bisher als physikalisch unmöglich galt.
Gewichtsrevolution: Wie das Amflow PX die 21-Kilo-Marke unterbietet
Die Waage lügt nicht: Mit 20,9 Kilogramm in Rahmengröße L definiert das Amflow PX die Gewichtsklasse der Full-Power E-MTBs neu. Zum Vergleich: Bisher galten Bikes wie das Pivot Shuttle AM mit rund 22 Kilo als extrem leicht. Die meisten Mitbewerber wie das Specialized Levo, das Orbea Wild oder das YT Decoy pendeln sich eher im Bereich zwischen 23 und 24 Kilogramm ein.
Besonders bemerkenswert ist dieses Gewicht, da Amflow keine Mogelpackung liefert. Statt auf anfällige Leichtbaureifen zu setzen, rollt das Bike auf massiven Schwalbe Radial-Reifen, die allein fast drei Kilo auf die Waage bringen.
Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt im Rahmen. Mit einem Eigengewicht von nur 2.400 Gramm bewegt sich das Carbon-Chassis fast auf dem Niveau moderner Enduro-Bikes ohne Motor. Ein Blick in das Innere des Rahmens offenbart eine Verarbeitungsqualität, die den Premium-Anspruch unterstreicht. Die Faserstrukturen sind glatt und harzfrei ausgeführt, was nicht nur Gewicht spart, sondern auch die strukturelle Integrität erhöht.
Verarbeitung und Steifigkeit des Amflow PX
In der detaillierten Labor- und Praxisanalyse überzeugt das Amflow PL durch eine Fertigungsgüte, die im Segment der Leichtbau-E-MTBs nicht immer gegeben ist. Während günstigere Carbon-Rahmen oft durch unsaubere Laminate im Inneren enttäuschen, offenbart der Blick in den Amflow-Rahmen eine tadellose Verarbeitung ohne Harzanhäufungen oder abstehende Fasern. Besonders servicefreundlich präsentiert sich die klassische Leitungsführung über Eingänge am Steuerrohr statt durch den Steuersatz – ein konstruktiver Ansatz, der Wartungsarbeiten auch für Laien handhabbar macht. Lediglich ein fehlender Schaumstoffüberzug im Bereich des Steuerrohrs trübte initial die Akustik, was sich jedoch durch ein einfaches Upgrade beheben ließ und in einer souveränen Laufruhe auf der Abfahrt resultierte.
Jenseits der Optik untermauern unsere Daten vom Steifigkeitsprüfstand den subjektiven Eindruck einer außergewöhnlichen Fahrpräzision. Bei der Messung der zentralen Rahmensteifigkeit via Tretlager-Krafteinleitung deklassiert das Amflow deutlich massivere Konkurrenten: Modelle wie das Specialized Levo R oder das Haibike Hybe weisen eine um 26 Prozent höhere Auslenkung auf. Dass das Amflow trotz seines geringen Eigengewichts ein Niveau erreicht, das sonst nur „Baller-Boliden“ wie dem Specialized Levo 4 oder massiven Aluminium-Konstruktionen vorbehalten ist, liegt primär an der durchdachten Hinterbaukonstruktion. So sind beispielsweise die Horst-Link-Lager beidseitig in der Kettenstrebe abgestützt, was Verwindungen effektiv minimiert. In Kombination mit einem direkt abgestimmten Hinterbau, der viel Gegendruck und eine gesunde Endprogression bietet, übersetzt das Amflow Fahrerimpulse ohne spürbaren Versatz direkt in Richtungsänderungen.
Avinox M2S & 700 Wh Akku: Performance-Werte jenseits der Norm
Herzstück des PX ist das Avinox M2S System. Mit einer Spitzenleistung von bis zu 1.300 Watt im Boost-Modus distanziert der Motor jeden aktuellen Mitbewerber. In unserem Belastungstest unter Extrembedingungen zeigte sich das thermische Management als exzellent. Trotz der enormen Leistungsabgabe zwangen die integrierten Kühlrippen das System zu keinem Zeitpunkt in ein hitzebedingtes Derating.
In puncto Reichweite liefert der 700-Wh-Akku solide Werte. In unserem genormten Testzyklus erreichte das Bike knapp 1.900 Höhenmeter. Die letzten 150 davon fährt es nur noch mit reduzierter Leistung. Der Clou ist jedoch die Zeitkomponente: Das Amflow PX bewältigt 1.000 Höhenmeter in nur 17 Minuten – ein Wert, den herkömmliche Systeme nicht ansatzweise erreichen. Für Langstreckenfahrer bietet Amflow zudem einen 600-Wh-Range-Extender an.
Fahreindruck: Agilität auf dem Singletrail
Auf dem Trail profitiert das Amflow PX massiv von seinem Mullet-Setup und dem niedrigen Schwerpunkt. Das 27,5-Zoll-Hinterrad sorgt in Kombination mit dem geringen Gesamtgewicht für eine überragende Agilität, die man sonst nur von Light-E-MTBs kennt. Das Bike lässt sich spielerisch über Wurzelteppiche heben und zirkelt willig durch enge Kehren.
Im Uphill hingegen zeigt der Motor seine Krallen. Die enorme Power erfordert eine aktive Gewichtsverlagerung nach vorne, belohnt dann aber mit einer Steigfähigkeit, die aktuelle Benchmarks wie das Santa Cruz Vala herausfordert. Wir empfehlen in steilen Sektionen die Nutzung der langen Kettenstreben-Einstellung über den Flip-Chip, um die Balance zwischen Traktion und Steigfähigkeit optimal zu halten.
Pro und Contra: Das Amflow PX im Überblick
Pro
- Branchenführendes Verhältnis von Gewicht zu Leistung
- Extrem steifer und hochwertig verarbeiteter Carbonrahmen
- Brachiale Uphill-Performance durch 1.300 Watt Boost
Contra
- Hoher Kettenverschleiß durch massive Motorleistung
- Klappernde Leitungen im Steuerrohr ab Werk
- Range Extender optisch nicht optimal integriert
Fazit: Die neue Benchmark im E-MTB-Sektor
Das Amflow PX ist eine technische Ansage. Mit einem Gewicht von unter 21 Kilogramm bei gleichzeitig brachialer Motorleistung realisiert Amflow das, was viele für unmöglich hielten. Es verschiebt die Messlatte für die gesamte Branche nach oben.






