Specialized Levo R im Test
Specialized bricht mit dem Levo R ein Tabu: Während die Konkurrenz auf immer mehr Federweg setzt, reduzieren die Kalifornier auf 130 mm am Heck. Das Ziel? Ein E-MTB, das die Lücke zwischen massiven Full-Power-Bikes und reichweitenschwachen Light-E-MTBs schließt. Mit einem flexiblen Akku-Konzept und dem neuen Specialized 3.1 Motor will das Levo R die Touren-Klasse neu definieren.
Der Reichweiten-Check: Maximale Flexibilität
Das Alleinstellungsmerkmal des Levo R ist die modulare Akku-Strategie. Kein anderer Hersteller bietet derzeit diese Freiheit, das Bike je nach Tour zwischen „Leichtbau“ und „Ewigkeit“ mit unterschiedlichen Akkus zu konfigurieren.
Die Akku-Optionen im Überblick:
| Komponente | Kapazität | Gewicht | Reichweite bei maximaler Unterstützung | Besonderheit |
| Range Extender | 280 Wh | 1.583 g | 1000 hm | Kann mit reduzierter Leistung als Stand-alone-Akku genutzt werden |
| Hauptakku Small | 600 Wh | 3.192 g | 1450 hm | Inkl. Staufach für Ersatzschlauch/Jacke |
| Hauptakku Large | 840 Wh | 4.407 g | 2000 hm | Werkseitig verbauter Standard |
| Maximale Kombi | 1120 Wh | 2700 hm | 840 Wh + Range Extender |
Real-Check: Wie weit kommt man wirklich?
Wir haben alle Setups in unserem standardisierten Testverfahren (100 kg Systemgewicht, 150 W Fahrerinput, maximale Unterstützung) auf die Probe gestellt:
- Das Energiepaket (1120 Wh): Sagenhafte 2.700 Höhenmeter in unter einer Stunde Fahrzeit. Ein Wert für die Ewigkeit.
- Der Standard (840 Wh): Rund 2.000 Höhenmeter – damit liegt Specialized auf Augenhöhe mit dem neuen Bosch CX Gen 5 (800 Wh).
- Die Light-Option (600 Wh): Reicht für ca. 1.450 Höhenmeter. Hier fordert die hohe Motorleistung ihren Tribut im Vergleich zu Bosch.
- Der Minimalist (nur Range Extender): Ein genialer Clou! Ohne Hauptakku wiegt das S-Works Levo R nur noch 18,4 kg. Der Motor drosselt in diesem Modus auf 430 Watt, was immer noch für fast 1.000 Höhenmeter reicht – perfekt für die schnelle After-Work-Runde.
Fahrwerk & Technik: Das „Luftkissenboot“-Gefühl
Ein Tourenbike braucht Komfort. Hier kommt die Genie-Dämpfer-Technologie ins Spiel. Durch zwei Luftkammern fühlt sich das Bike um den Sag-Punkt herum extrem sensibel an – fast wie ein Luftkissenboot, das über kleine Wurzeln und Steine einfach „drüberwabert“.
Ab ca. 70 % des Hubs wird es jedoch sportlich: Die zweite Kammer schließt sich, das Volumen sinkt und die Progression steigt massiv an. Das verhindert Durchschläge effektiv, macht das Bike am Ende des Federwegs aber spürbar straff.
Insgesamt ist das Lervo R ein Bike, das vor allem auf leichteren Trails verdammt viel Spaß macht. Denn schnelle Richtungswechsel kann es deutlich besser als oftmals behäbige, federwegsschwangere Bikes.
Im rauen Gelände kommt der Charakter ganz klar zum Vorschein. Die Purgatory Reifen, die Sram Motive Bremsen und der relativ schmale Lenker sind nicht für grobes Gelände gemacht, sondern auf Touren ausgelegt. Man kommt überall runter, hat aber vor allem auf zahmeren Trails Spaß mit dem Bike.
Motor: Specialized 3.1 – Power trifft Individualität
Der Specialized 3.1 Motor (basierend auf Yamaha) liefert in der Spitze über 800 Watt. Damit schlägt er den Bosch CX Gen 5 in Sachen reiner Power deutlich.
- Charakter: Sehr linear und natürlich. Wer den „Kick“ eines Bosch-Motors will, muss in der App nachhelfen.
- App: Die Mission Control App ist der Benchmark. Vom „gutmütigen Balu“ bis zum „reaktionsfreudigen Bagheera“ lässt sich alles einstellen – inklusive „Smart Control“, das den Akkuverbrauch passend zur geplanten Tour managt.
- Geräuschkulisse: Der Motor ist hörbar, aber dezent leiser als ein Bosch-Aggregat. Ein leichtes Getriebeklappern bergab ist vorhanden, aber weit entfernt von der „Kinderrassel“ eines Shimano EP801.
Design & Praktikabilität
Specialized verzichtet auf modische Spielereien wie integrierte Zugführungen durch den Steuersatz. Das Design wirkt fast konservativ, punktet aber durch echte Funktion.
- Schnellwechsel-Akku: Nur eine Schraube lösen und der Akku ist draussen.
- Staufach: Über dem Akku ist Platz für Kleinkram.
- Super-Charger: Das 12-Ampere-Ladegerät pumpt den 840-Wh-Akku in unter 1,5 Stunden von 50 auf 100 %. Achtung: Mit 3 kg Gewicht ist es nichts für den Rucksack.
Pro
- Einzigartige Akku-Flexibilität (18,4 kg bis 1120 Wh).
- Kraftvoller Motor mit exzellenter App.
- Komfort auf moderaten Trails (Genie-Dämpfer).
- Einfache Wartung (keine Kabelintegration im Steuersatz).
Contra
- Hoher Einstiegspreis (ab 8.000 €).
- Reifen und Bremsen für schweres Gelände unterdimensioniert.
Fazit zum Specialized Levo R
Das Specialized Levo R ist eine mutige Absage an den Einheitsbrei. Es bedient die Zielgruppe, die bisher zwischen schweren „Baller-Bikes“ und schwachbrüstigen Light-Modellen gefangen war. Und das maximal konsequent. Wer bei Reichweite und Leistung keine Kompromisse machen will und ein leichtes Bike sucht, kommt am Levo R nicht vorbei.






