Vernunft oder Nische

Specialized Levo R im Test

Specialized bricht mit dem Levo R ein Tabu: Während die Konkurrenz auf immer mehr Federweg setzt, reduzieren die Kalifornier auf 130 mm am Heck. Das Ziel? Ein E-MTB, das die Lücke zwischen massiven Full-Power-Bikes und reichweitenschwachen Light-E-MTBs schließt. Mit einem flexiblen Akku-Konzept und dem neuen Specialized 3.1 Motor will das Levo R die Touren-Klasse neu definieren.

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Das Levo R ist kein Kompromiss, sondern eine bewusste Entscheidung gegen den Federwegs-Wahn. Mit 140 mm vorne und 130 mm hinten positioniert es sich als spezialisiertes Werkzeug für Tourenfahrer. Wer verblockte Enduro-Strecken oder Bikeparks sucht, ist hier falsch. Wer jedoch ein Bike sucht, das sich so verspielt wie ein Light-E-MTB anfühlt, aber die Power eines „Echten“ hat, liegt hier richtig.

Trotz 29-Zoll-Laufrädern vorne und hinten (kein Mullet!) bleibt das Handling extrem intuitiv. Mit einem Gewicht von knapp über 21 kg in der Topversion (840-Wh-Akku) ist es rund 3 kg leichter als vergleichbare Full-Power-Konkurrenten.

Specialized Levo R Test
Das Levo R ist Specializeds Reichweitenmonster im EMTB Lineup.
Specialized Levo R Erfahrung
Es verzichtet bewusst auf Federweg und setzt dafür auf mehr Reichweite und geringes Gewicht.
Specialized Levo R Test
Das Levo R sieht dem Levo 4 verdammt ähnlich, ist aber eine komplett eigenständige Entwicklung.

Der Reichweiten-Check: Maximale Flexibilität

Das Alleinstellungsmerkmal des Levo R ist die modulare Akku-Strategie. Kein anderer Hersteller bietet derzeit diese Freiheit, das Bike je nach Tour zwischen „Leichtbau“ und „Ewigkeit“ mit unterschiedlichen Akkus zu konfigurieren.

Die Akku-Optionen im Überblick:

Komponente Kapazität Gewicht Reichweite bei maximaler Unterstützung Besonderheit
Range Extender 280 Wh 1.583 g 1000 hm Kann mit reduzierter Leistung als Stand-alone-Akku genutzt werden
Hauptakku Small 600 Wh 3.192 g 1450 hm Inkl. Staufach für Ersatzschlauch/Jacke
Hauptakku Large 840 Wh 4.407 g 2000 hm Werkseitig verbauter Standard
Maximale Kombi 1120 Wh 2700 hm 840 Wh + Range Extender
Specialized Levo Akku
Der voluminöse Akku ist für das bauchige Unterrohr verantwortlich.
Specialized Levo Range Extender
Ein Alleinstellungsmerkmal: Das Levo R lässt sich auch nur mit dem Range Extender und ohne Hauptakku fahren.
Specialized Levo Akku-Entnahme
Der Akku kann mit einer Schraube blitzschnell entnommen werden.
Specialized Levo Akku-Staufach
Oberhalb des Akkus hat das Levo eine kleine Tasche für Ersatzmaterial. Der 600er Akku hat zudem noch ein zusätzliches Staufach, z.B. für eine Windjacke, am oberen Ende.

Real-Check: Wie weit kommt man wirklich?

Wir haben alle Setups in unserem standardisierten Testverfahren (100 kg Systemgewicht, 150 W Fahrerinput, maximale Unterstützung) auf die Probe gestellt:

  • Das Energiepaket (1120 Wh): Sagenhafte 2.700 Höhenmeter in unter einer Stunde Fahrzeit. Ein Wert für die Ewigkeit.
  • Der Standard (840 Wh): Rund 2.000 Höhenmeter – damit liegt Specialized auf Augenhöhe mit dem neuen Bosch CX Gen 5 (800 Wh).
  • Die Light-Option (600 Wh): Reicht für ca. 1.450 Höhenmeter. Hier fordert die hohe Motorleistung ihren Tribut im Vergleich zu Bosch.
  • Der Minimalist (nur Range Extender): Ein genialer Clou! Ohne Hauptakku wiegt das S-Works Levo R nur noch 18,4 kg. Der Motor drosselt in diesem Modus auf 430 Watt, was immer noch für fast 1.000 Höhenmeter reicht – perfekt für die schnelle After-Work-Runde.
EMTB Praxistest
Mehr Reichweite, mehr Trails! Das ist die Levo R Gleichung.

Fahrwerk & Technik: Das „Luftkissenboot“-Gefühl

Ein Tourenbike braucht Komfort. Hier kommt die Genie-Dämpfer-Technologie ins Spiel. Durch zwei Luftkammern fühlt sich das Bike um den Sag-Punkt herum extrem sensibel an – fast wie ein Luftkissenboot, das über kleine Wurzeln und Steine einfach „drüberwabert“.

Ab ca. 70 % des Hubs wird es jedoch sportlich: Die zweite Kammer schließt sich, das Volumen sinkt und die Progression steigt massiv an. Das verhindert Durchschläge effektiv, macht das Bike am Ende des Federwegs aber spürbar straff.

Fox Genie Dämpfer
Der Geniedämpfer wurde eigens mit Fox entwickelt und ist nur bei Specialized erhältlich.
An der Fox 36 SL Gabel stehen 140 mm Federweg zur Verfügung.
Levo-Fahrwerk
Das Levo R macht mit seinem intuitiven Handling auf flowigen Trails verdammt viel Spaß.

Insgesamt ist das Lervo R ein Bike, das vor allem auf leichteren Trails verdammt viel Spaß macht. Denn schnelle Richtungswechsel kann es deutlich besser als oftmals behäbige, federwegsschwangere Bikes.

Im rauen Gelände kommt der Charakter ganz klar zum Vorschein. Die Purgatory Reifen, die Sram Motive Bremsen und der relativ schmale Lenker sind nicht für grobes Gelände gemacht, sondern auf Touren ausgelegt. Man kommt überall runter, hat aber vor allem auf zahmeren Trails Spaß mit dem Bike.

Sram Motive Bremse
Die Motive Bremse ist die kleine Schwester der üblicherweise verbauten SRAM Maven.
Sram Motive Bremse
Der Bremssattel der Motive ist etwas filigraner und die Bremse hat spürbar weniger Leistung als eine Maven. Für Fahrer bis 80 Kilo ist das aber kein Problem.
Specialized Purgatory Reifen
Die Purgatory Reifen sind keine Grip-Monster. Wer mehr Richtung Abfahrtsspaß gehen will, hat hier Tuning Potential.
Trailtest
Das Levo R hat weniger Federweg, ist aber kein Trailverweigerer. Im flowigen Gelände weiß es mit Fahrspaß zu überzeugen.

Motor: Specialized 3.1 – Power trifft Individualität

Der Specialized 3.1 Motor (basierend auf Yamaha) liefert in der Spitze über 800 Watt. Damit schlägt er den Bosch CX Gen 5 in Sachen reiner Power deutlich.

  • Charakter: Sehr linear und natürlich. Wer den „Kick“ eines Bosch-Motors will, muss in der App nachhelfen.
  • App: Die Mission Control App ist der Benchmark. Vom „gutmütigen Balu“ bis zum „reaktionsfreudigen Bagheera“ lässt sich alles einstellen – inklusive „Smart Control“, das den Akkuverbrauch passend zur geplanten Tour managt.
  • Geräuschkulisse: Der Motor ist hörbar, aber dezent leiser als ein Bosch-Aggregat. Ein leichtes Getriebeklappern bergab ist vorhanden, aber weit entfernt von der „Kinderrassel“ eines Shimano EP801.
Specialized S-Works Motor
Über 800 Watt Power. Der neue 3.1 Motor liefert Leistung satt.
Specialized EMTB Display
Elegant, klein, gut geschützt. Das Display des Levo R.
Lenkerbreite
Dank dem kleinen Display und den dezenten Schaltern wirkt das Cockpit nicht überladen.

Design & Praktikabilität

Specialized verzichtet auf modische Spielereien wie integrierte Zugführungen durch den Steuersatz. Das Design wirkt fast konservativ, punktet aber durch echte Funktion.

  • Schnellwechsel-Akku: Nur eine Schraube lösen und der Akku ist draussen.
  • Staufach: Über dem Akku ist Platz für Kleinkram.
  • Super-Charger: Das 12-Ampere-Ladegerät pumpt den 840-Wh-Akku in unter 1,5 Stunden von 50 auf 100 %. Achtung: Mit 3 kg Gewicht ist es nichts für den Rucksack.
SWAT Minitool
Der Klassiker: Ein Minitool hat man bei Specialized jederzeit griffbereit im Steuerrohr stecken.
Levo Zugverlegung
Die Züge werden klassisch und nicht durch den Steuersatz verlegt.
Specialized Levo R Gewicht
Wie viel Gewicht spart man durch die stringente Ausrichtung?
Specialized Levo R Gewicht
Mit 21,3 Kilo ohne Pedale ist das Levo R über 2 Kilo leichter als das Levo 4 mit identischem 840‑Wh-Akku.

Pro

  • Einzigartige Akku-Flexibilität (18,4 kg bis 1120 Wh).
  • Kraftvoller Motor mit exzellenter App.
  • Komfort auf moderaten Trails (Genie-Dämpfer).
  • Einfache Wartung (keine Kabelintegration im Steuersatz).

Contra

  • Hoher Einstiegspreis (ab 8.000 €).
  • Reifen und Bremsen für schweres Gelände unterdimensioniert.
Specialized Levo R Fahreindrücke

Fazit zum Specialized Levo R

Das Specialized Levo R ist eine mutige Absage an den Einheitsbrei. Es bedient die Zielgruppe, die bisher zwischen schweren „Baller-Bikes“ und schwachbrüstigen Light-Modellen gefangen war. Und das maximal konsequent. Wer bei Reichweite und Leistung keine Kompromisse machen will und ein leichtes Bike sucht, kommt am Levo R nicht vorbei.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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