neuer Motor & K.I.S. System

Canyon Strive ON Test

Canyons Race-E-Enduro geht in die nächste Evolutionsstufe: Das neue Canyon Strive:ON kombiniert eine aggressive Geometrie mit der Power des neuen Bosch CX Gen 5 Motors und dem innovativen K.I.S.-System. Während andere Hersteller auf maximale Gewichtsreduktion setzen, bleibt Canyon dem 750-Wh-Akku-Konzept treu und fokussiert sich stattdessen auf Nehmerqualitäten in der Abfahrt.

Canyon Strive:on Test
Das neue Canyon Strive on bleibt der Optik des Vorgängers treu, hat unter der Haube aber etliche neue Features.

Mit dem Sprung auf die fünfte Generation des Bosch CX-Antriebs verschiebt Canyon die Grenzen der Uphill-Performance seines Strive:ON deutlich nach oben. Der Motor generiert nun (nach seinem jüngsten Update) ein massives Drehmoment von 120 Nm, was das Strive:ON in steilen, technischen Sektionen wieder zur Konkurrenz von Avinox aufschließen lässt. Obwohl man hier mit zwei Augen auf die neuen Leistungswerte blicken muss: Denn die Maximalleistung von über 1000 Watt, die man von Avinox-Motoren bekommt, will (oder kann) Bosch aus politischen Gründen nicht freigeben. Man schraubt also das Drehmoment nach oben, aber nicht die absolute Leistung. Mit über 700 Watt Maximalleistung ist man aber immer noch mehr als üppig ausgestattet. Eine lahme Kröte holt man sich hier nicht ins Haus.

An der Akkugröße des Vorgängers wird nicht gerüttelt. Der 750-Wh-Akku bleibt etwas kleiner als die neueren 800er Akkus von Bosch. Aber man ist damit dennoch deutlich breiter aufgestellt als viele Hersteller, die nur einen 600er Akku im Unterrohr ermöglichen. Bei Bikes wie dem Santa Cruz Vala oder Cube AMS Hybrid 177 ist der Saft längst aus, wenn das Strive On an seine Akkureserven rangeht. Zudem lässt sich der Akku im neuen Strive aus dem Unterrohr entnehmen. An der Strategie, die man auch vom Spectral:ON kennt, rüttelt Canyon nicht. Gerade für ambitionierte Fahrer ist das für lange Tage in Bikeparks auch ein echter Mehrwert. Denn dann kann man mit Wechselakkus arbeiten, um die Reichweite nach oben zu schrauben.

Canyon Strive:on Test
Kein Trail zu rau. Das Canyon Strive ON ist gemacht fürs grobe Gelände.
Bosch CX Gen 5
Endlich kommt auch im Strive:ON der neue Bosch Motor mit noch mehr Drehmoment zum Einsatz.

Das K.I.S.-System: Lenkungsstabilisierung als Gamechanger

Die Integration des Keep It Stable Systems (K.I.S.) stellt eine signifikante Änderung zum Vorgänger dar. Über zwei im Oberrohr verankerte Federn wird eine zentrierende Kraft auf den Gabelschaft ausgeübt, die das Vorderrad aktiv in die Nullstellung zurückführt. In schnellen, offenen Kurvenabfahrten reduziert dies spürbar Unruhen in der Lenkung.

K.I.S. System Test
Zur Veranschaulichung haben wir einen K.I.S. Dummy fotografiert. Die zwei Federn sitzen im Oberrohr und werden an den Gabelschaft geklemmt.
K.I.S. System Test
Das System zur Lenkungsstabilisierung wiegt nur 103 Gramm und kann jederzeit ausgebaut werden.
K.I.S. System Test
Die Härte der Lenkungsstabilisierung kann über einen Schieberegler am Oberrohr an persönliche Vorlieben angepasst werden.

Besonders im Grenzbereich, wenn das Rad in offenen Kurven zu driften beginnt, liefert das System ein klares haptisches Feedback über den Lenkeinschlag. Dies ermöglicht es dem Fahrer, intuitiver zu korrigieren, bevor die Traktion am Vorderrad vollständig abreißt. Für Traditionalisten bietet Canyon die Möglichkeit der vollständigen Demontage und den Verschluss des Rahmens mittels eines mitgelieferten Blinddeckels.

Wir haben das System auch schon ausgiebig im Canyon Spectral ohne Motor getestet. Unsere ehrliche Einschätzung: Es ist kein Heilsbringer für ein völlig neues Fahrgefühl, aber eine sinnvolle Option ohne wirkliche Nachteile. Wen es im Detail interessiert, der findet in diesem Video Infos, die so detailliert noch kein anderes Medium herausgearbeitet hat:

Youtube Video
Canyon Strive:ON Erfahrung
Vor allem in offenen Kurven merkt man den Effekt des K.I.S.-Systems.

Chassis und Geometrie: Steifigkeit ohne Kompromisse

Der CFR-Rahmen (Canyon Factory Racing) ist auf maximale Verwindungssteifigkeit ausgelegt, um die Präzision bei hohen Geschwindigkeiten zu gewährleisten. Mit einem flachen Lenkwinkel von 63,5° und einem langen Reach (475 mm bei Größe M) ist die Geometrie konsequent auf Laufruhe getrimmt. Dies macht das Strive:ON zu einem Werkzeug für versierte Piloten, die einen aktiven Fahrstil pflegen und das Bike mit Nachdruck in die Kurve legen.

Die Entscheidung, den Akku über eine kleine Öffnung vor dem Motor im Unterrohr zu entnehmen, ist clever, weil das auf die Steifigkeit des Rahmens einzahlt. Halb aufgeschnittene Unterrohre sind für den angedachten Hardcore-Einsatz eher weniger förderlich.

Wechselakku
Der Akku lässt sich über eine kleine Öffnung vor dem Motor entnehmen.
Skip Plate
Das Scip Plate schützt den Motor vor übermäßigem Dreck und Steinschlag.
Akku-Verschluss
Für den angedachten Hardcore-Einsatz wäre eventuell sogar ein Skid-Plate aus Aluminium noch besser gewesen.

Die Kinematik des Hinterbaus liefert 160 mm Federweg, die sich durch einen hohen Gegenhalt im mittleren Bereich auszeichnen. In Kombination mit einem steilen Sitzwinkel von 78° resultiert dies in einer exzellenten Kletterposition, die den Fahrer zentral im Bike positioniert. Das Fahrwerk wirkt insgesamt straff und direkt, was auf flowigen Trails fast schon zu viel Feedback geben kann. Auch steile Rampen kommt man hier hoch.

Canyon Strive On
Canyon weiß, worauf es bei Hinterbauten ankommt. Auch beim Strive:ON gelingt es den Koblenzern, eine Hinterbaukinematik zu realisieren, bei der man nicht im Federweg versinkt.
Canyon Strive ON Testbericht
Bullig, aber elegant. Auf überflüssige Designdetails wird hier verzichtet.

Service-Check: Wie viel Ärger steckt im neuen Canyon Strive?

In der Werkstatt zeigt sich das Strive:ON erfreulich wartungsarm, da das K.I.S.-System nach der initialen Zentrierung keine weitere Justierung benötigt. Mit einem Systemgewicht von lediglich 103 Gramm ist die Lenkhilfe zudem gewichtstechnisch vernachlässigbar. Die im Unterrohr verlegten Kabelzüge sind sauber geführt. Da klappert nichts und man kann diese einfach wechseln.

Srams neue Maven Bremsen laufen endlich auf Mineralöl, was die Wartung reduziert. Die verbauten Sram Transmission Antriebe sind aktuell die robustesten auf dem Markt, die zudem kaum eine Einstellung benötigen. Breite Felgen und Maxxis Reifen mit ordentlich Pannenschutz runden das Bild, das wir vom Canyon Strive im Test bekommen haben, stimmig ab. Dieses Bike ist ein Arbeitsgerät für den Hardcore-Einsatz. Hier geht es nicht um Kosmetik, sondern um echte Nehmerqualitäten.

Canyon Strive ON Zugverlegung
Eine Zugverlegung durch den Steuersatz gibt es beim neuen Strive nicht mehr.
Canyon Strive On KIS Montage
Das K.I.S.-System kann über diese kleine Öffnung mit einem Inbus am Gabelschaft geklemmt werden.
Canyon Strive:ON Erfahrung
Dicker Rahmen, dicker Hinterreifen, dicke Federelemente: Die Absicht des Canyon Strive:ON ist klar. Dieses Bike will bergab ballern.

Ab 4.999 € erhältlich

Unser Testbike war das Canyon Strive CF89 für 6499 €. Sicher ein guter Deal. Die meisten Interessenten dürften aber zum Canyon Strive:ON CF8 für 4999 € greifen. Es hat mit der Shimano Schaltung einen deutlich günstigeren Antrieb, setzt aber auf denselben Rahmen, Motor und Akku. Damit ist es ein ganz heißer Deal, der in der Preisklasse des Aventon Current spielt, aber deutlich mehr Federweg hat.

Pro

  • neuer Bosch Motor mit 120 Nm Drehmoment
  • K.I.S.-System bietet signifikante Vorteile bei Highspeed und im Grenzbereich.
  • wechselbarer Akku
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra

  • nicht das Leichteste
  • kein Display
Canyon Strive ON Fazit

Fazit zum Canyon Strive:ON

Das Canyon Strive:ON CFR ist ein Arbeitstier für Tage auf den härtesten Trails. Canyon stellt mit der Neuauflage die Nehmerqualitäten noch mehr in den Vordergrund als bisher und bleibt dem Bosch CX Gen 5 Motor treu. Wer mehr Zeit auf Trails und weniger in der Werkstatt verbringen will, findet hier ein Bike, das vor keinem Trail zurückschreckt. Vor allem das günstigste Modell für 4999 € dürfte hier jede Menge Anhänger finden.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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