maximal anpassbar

Neues Pivot Shuttle LT im Test

Pivot tritt mit dem neuen Shuttle LT an, um nichts Geringeres als das beste E-MTB für maximale Abfahrtsperformance zu bauen. Die US-Marke setzt dabei auf den bewährten Bosch CX Race Motor, vor allem aber auf eine Fülle an Verstelloptionen. Wir haben das „Baller-Bike“ mit 170 mm Federweg durch den Testparcours gejagt und geprüft: Bringen die Geometrie-Gimmicks echten Mehrwert oder ist das nur technischer Hokus-Pokus für das Datenblatt?

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Das Pivot Shuttle LT bricht Superlative bei der Anpassbarkeit. Laufradgröße, Kettenstrebenlänge, Akkugröße, Fahrwerksprogression, Zugverlegung und – man höre und staune – ein patentiertes System zur isolierten Sitzwinkelverstellung. Während Marken wie Santa Cruz beim neuen Vala ebenfalls mit Flip-Chips spielen, treibt Pivot das Spiel auf die Spitze und legt damit die Entscheidungsfreiheit an sämtlichen Ecken in die Hand der Kunden.

In Sachen Gewicht bleibt das Shuttle LT bodenständig. Mit 23,9 kg (Größe L, ohne Pedale) ist es kein Federgewicht wie sein kleiner Bruder, das Shuttle AM (unter 22 kg). Unter den Ballerboliden mit 170 mm Federweg gibt es auch leichtere Optionen wie z.B. das YT Decoy (23,6 kg mit 800er Akku). Aber keine dieser leichteren Optionen hat einen Wechselakku. Doch Pivot geht es beim neuen Shuttle LT nicht um das letzte Gramm, sondern um maximale Souveränität bergab. Wir haben getestet, ob Pivot seinem Performance-Ansatz auf dem Trail gerecht wird und vor allem, was die ganzen Verstelloptionen bringen.

Pivot Shuttle LT
Das neue Flaggschiff für gröbstes Gelände. Das Pivot Shuttle LT kommt mit neuem Bosch CX Race Motor und massiven Features.
Pivot Shuttle AM
Der kleine Bruder: Wer eher auf Leichtbau als auf Ballermann steht, wird mit dem Pivot Shuttle AM mit unter 22 Kilo glücklich.

Die Einstell-Optionen im Detail: Was bringt’s wirklich?

Das Pivot Shuttle LT grenzt sich durch die Vielzahl seiner Anpassungen von den Konkurrenten im Highend-Bereich deutlich ab. Pivot fährt hier eine ganz klare Strategie: Der Kunde soll die maximale Entscheidungsfreiheit über kritische Bereiche haben und nicht vom Hersteller bevormundet werden.

Dem zugrunde liegt natürlich auch ein wirtschaftliches Interesse. Denn viele Optionen bedeuten auch wenige Ausschlusskriterien und die Ansprache der maximalen Zielgruppe. Bestes Beispiel: Die Zugeverlegung. Während viele Biker die Verlegung durch den Steuersatz geil finden, ist diese für andere ein Ausschlusskriterium beim Bike-Kauf. Pivot bietet die Möglichkeit, die Züge klassisch oder durch den Steuersatz zu verlegen, und verprellt damit keine Kundengruppe. Wir haben uns auch die anderen Ecken der Verstellmöglichkeiten ganz genau angeschaut.

Pivot Shuttle LT Test
Angetreten, um den Downhill zu dominieren. Wird das Pivot Shuttle LT seinen Erwartungen gerecht?

1. Das Sitzwinkel-Patent: Steiler ist geiler?

Pivot hat sich ein System patentieren lassen, das den Sitzwinkel unabhängig von Lenkwinkel oder Tretlagerhöhe verändert. Über ein Einstecksystem wird die Sattelstütze parallel verschoben.

  • Der Bereich: Von 76,5° bis 78°. Das ist eine Differenz von 1,5 Grad – deutlich mehr, als herkömmliche Flip-Chips bieten.
  • Praxis-Check: Bergauf ist der Effekt massiv. Bei 78° sitzt man extrem zentral. Das Vorderrad bleibt am Boden, ohne dass man sich akrobatisch über den Lenker beugen muss.
  • Aber: Ein zu steiler Winkel kann auf Flachstücken Druck auf die Handgelenke bringen oder das Knielot negativ beeinflussen. Die Einstellbarkeit ist hier der Schlüssel: Wer technische Uphill-Sektionen liebt, wird die 78° feiern. Denn damit ist das Shuttle LT ein göttliches Gefährt für knackige Uphills.
Pivot Shuttle LT Uphill
Wenn es steil und technisch bergauf geht, ist ein steiler Sitzwinkel durch nichts zu ersetzen.
Sitzwinkelverstellung Pivot
Von ohnehin steilen 76,5°...
Sitzwinkelverstellung Pivot
lässt sich der Sitzwinkel auf extreme 78° verstellen.
Pivot-Sitzwinkel-Patent
Möglich wird das über eine exzentrische Hülse im Sitzrohr, die man drehen kann.
Pivot-Sitzwinkel-Patent
Das Drehen der Hülse funktioniert nur mit einem 4 mm Inbus und dauert ca. 5 Minuten.
Pivot Sitzwinkel-Patent
Pivot hat das Einstellsystem zur Sitzwinkelverstellung zum Patent angemeldet.

2. Mitwachsende Kettenstreben (UDH-kompatibel)

Lange Kettenstreben galten früher als behäbig, heute wissen wir: Sie bringen Balance. Pivot realisiert trotz des UDH-Standards (SRAM T-Type) zwei Positionen: 443 mm (kurz) und 451 mm (lang). Und das ist eine Besonderheit. Denn eine Kettenstrebenverstellung mit UDH-Standard schafft so kein anderer Hersteller.

Wir haben beide Optionen zur Kettenstrebenlänge ausprobiert und waren vom klaren Testeindruck überrascht. In Größe L fühlte sich das „Lange“ Setup deutlich besser an. Die Lastverteilung zwischen den Rädern ist ausgeglichener, was in offenen Kurven für mehr Grip am Vorderrad sorgt. Dass Pivot hier eine Anpassung ermöglicht, ist genial. Vor allem auch, weil man so den Hinterbau von der Größe S bis zur Größe XL sinnvoll mitwachsen lassen kann. So bleibt das Fahrgefühl über alle Rahmengrößen ausgeglichen.

Mitwachsende Kettenstreben
Um die Kettenstreben trotz UDH-Schaltauge verstellbar zu gestalten, hat Pivot in die Trickkiste gegriffen.
Mitwachsende Kettenstreben
Das rechte hintere Ausfallende kann um einen Drehpunkt rotieren.
Mitwachsende Kettenstreben
Parallel dazu muss der Flipchip auf der Nichtantriebsseite und auch der Bremsadapter angepasst werden. Der Umbau ist kein Hexenwerk, aber auch nichts für auf dem Trail.

3. Akku-Management: Hubraum oder Leichtbau?

Erstmals bietet Pivot einen entnehmbaren Akku an (über eine Luke am Tretlager). Hier ist man den Rufen des europäischen Marktes gefolgt, wo dieser entnehmbare Akku für viele ein Pflichtpunkt ist.

Optionen: Ab Werk kommt ein 800 Wh Akku, es lässt sich aber problemlos ein 600 Wh Akku verbauen, was das Bike satte 1 kg leichter macht. Auch die Option auf einen Range Extender mit 250 Wh ist gegeben.

Der Clou: Verbaut man den kleinen Akku, wird das Handling durch das gesparte Kilo spürbar besser. Für die schnelle Feierabendrunde ist der 600er Akku die bessere Wahl. Für das lange Alpenabenteuer mit 2000 hm und mehr eignet sich wohl eher der 800er Akku. Diese Flexibilität bietet derzeit kaum ein Konkurrent. Bikes wie das Orbea Wild, Yeti MTe oder Santa Cruz Vala/Bullit, Cube AMS Hybrid 177 setzen alle auf fest verbaute und meist auch kleine 600 Wh Akkus. Die Option, den Akku zu wechseln, verdoppelt unter Umständen sogar die Reichweite. Die Investition in einen kleineren 600 Wh Akku lohnt sich hier auf jeden Fall, um für besonders lange Tage mit einem Zweitakku gerüstet zu sein.

Pivot Wechselakku
Ein Novum für Pivot. Der Akku ist erstmals aus dem Unterrohr eines Shuttles entnehmbar.
Bosch PowerTube 600
Durch die Option, auch den kleinen 600er-Akku verbauen zu können, eröffnet Pivot Tuning-Möglichkeiten beim Gewicht.
Bosch PowerTube 800
Denn der 800er Bosch Powertube, der ab Werk im Unterrohr steckt, ist fast 1 Kilo schwerer als der kleinere 600er Akku.

4. Mullet-Option und Flip-Chip

Standardmäßig rollt das Shuttle LT auf einem Mullet-Setup (29″/27,5″). Ein Umbau auf reines 29er ist möglich, erfordert aber einen Gang zum Händler, da die Software des Bosch-Motors angepasst werden muss.

Mit dem Mullet Setup ist das Pivot Shuttle LT trotz seines üppigen Federwegs ein Bike, das sich intuitiv und nicht sperrig steuern lässt. Das 29er Hinterrad erhöht das Gewicht und dürfte den angenehm verspielten Charakter des Shuttle LT auch verwässern. Unser Tipp ist deshalb ganz klar: Besser man bleibt im Mullet Setup.

Und wir empfehlen zudem, beim Mullet-Setup in der „High“-Einstellung am Flip Chip zu bleiben. In „Low“ wird der Lenkwinkel mit 63° extrem flach, was das Bike auf flachen Trails kippelig und unhandlich macht. Hier lohnt sich das Experimentieren nicht.

Pivot Shuttle LT Mullet
Wenn es steil wird, geht nichts über ein kleines Hinterrad.
Pivot Shuttle LT Mullet
Ab Werk kommt das Shuttle LT immer im Mullet-Setup, ein 29er Hinterrad passt aber auch in den Rahmen.
Pivot Shuttle LT Flip-Chip
Der exzentrische Flip-Chip ermöglicht die Geometrieanpassung an das hintere Laufrad oder das Geometrie-Feintuning im Mullet-Setup.

5. Fahrwerk: Mehr Progression, Baby!

Mit einem Flip Chip an der unteren Dämpferaufhängung kann die Progression des Hinterbaus separat eingestellt werden. Man kennt diese Option auch vom Santa Cruz Vala. Allerdings muss man realistisch bleiben: Die Verstellung der Progression am Hinterbau ist eher Feintuning.

Der Grundcharakter des Shuttle LT bleibt sportlich-straff. Es ist kein „Bügeleisen“, das alles aufsaugt, sondern ein Sportgerät, das aktiv gefahren werden will. Der DW-Link Hinterbau hat einen legendären Ruf und er überzeugt uns auch im Pivot Shuttle LT. Denn das Bike spricht feinfühlig an und schluckt große Brocken weg, es versinkt aber nicht im Federweg.

Der DW-Link Hinterbau gehört zur DNA von Pivot und kommt natürlich auch im neuen Shuttle LT zum Einsatz. Das Dual Link System mit geschlossenem hinteren Rahmendreieck ist für sein exzellentes Ansprechverhalten und seinen dynamischen Charakter bekannt und beliebt.
Pivot Shuttle LT Hinterbaukurve
Der Flip-Chip für die Hinterbaucharakteristik ist fürs Feintuning da. Eine volle Charakteränderung wie z.B. hin zu einem lineareren Übersetzungsverhältnis wie beim Cube AMS 177 (lila Kurve) bekommt man damit nicht hin.

Und das ist die große Crux, mit der viele andere Hersteller in dieser Federwegsklasse zu kämpfen haben. Bikes wie das Centurion No Pogo oder das Rose Slab schaffen die Gratwanderung mit herkömmlichen 4-Gelenker-Hinterbauten nicht annähernd so gut wie das Pivot Shuttle LT.

In welcher Einstellung man den DW-Link-Hinterbau fährt, bleibt mit dem großen X2-Dämpfer aus unserem Test Geschmackssache. Für günstigere Bikes mit dem kleinen Fox-Dämpfer würden wir die minimal linearere Option wählen.

Pivot-Hinterbau-Flip-Chip
Der Flip-Chip an der unteren Dämpferaufnahme ermöglicht das Feintuning der Hinterbaucharakteristik.
Pivot Hinterbau Flip-Chip
Der generelle Charakter des DW-Link-Hinterbaus lässt sich aber nicht verwässern. Und das ist auch gut so.

Motor: Let's go Racing

Der Bosch CX Race Motor passt perfekt ins Konzept. Er liefert die Leistung aggressiver als der Standard-CX, wenn man den Race-Modus einlegt. Die Entscheidung darüber bleibt aber in Fahrerhand.

Wer es technisch bergauf mag, sollte unserer Meinung nach den eMTB+ Modus einlegen, da der Race-Mode beim Anfahren fast schon zu explosiv agiert. Da kann es oftmals zu Gripverlust durch zu viel Leistung kommen. Außerdem bietet der EMTB+ auch den Overrun, bei dem der Motor auch ohne volle Kurbelumdrehungen über Steilstufen hochschiebt.

Die Hardware des Bosch CX-R Motors unterscheidet sich durch eine Titanachse und Ceramic-Lager vom Bosch CX ohne den Zusatz “Race”. Das spart 100 Gramm. Der Motor funktioniert bergab und bergauf sehr leise, was wohl der größte Mehrwert im Vergleich zum alten Pivot Shuttle LT darstellt, das noch den CX Motor der 4ten Generation hat, der auf dem Trail bergab klappert.

Bosch CX Race
Boschs Race Motor hat genauso viel Power wie der normale Motor, gibt diese aber schneller frei. Der größte Unterschied zum Vorgänger: Er klappert auf dem Trail nicht mehr!
Bosch Kiox 400
Geschützt im Oberrohr eingebettet. Das Kiox 400 C Display macht sogar die Navigation möglich.
Bosch Mini Remote
Unaufdringlich und ohne Kabel: Der Bosch Mini Remote.
Sram Transmission
Schade: Das Schaltwerk zieht seine Energie nicht aus dem Hauptakku des Motors.

Ausstattung & Preise

Luxus hat seinen Preis – und bei Pivot ist dieser schon fast traditionell hoch:

  • Team-Version (Testbike): 14.999 €
  • Pro-Version: 12.999 €
  • Ride-Version (Einstieg): 9.299 € (ohne Race-Motor und Kiox 400 Display)

Pivot legt auch beim Shuttle AM ein ähnliches Pricing an den Tag und auch Hersteller wie Orbea, Santa Cruz oder Yeti sind nicht zimperlich, wenn es an den Geldbeutel der Kunden geht. Den Trend, dass Firmen wie Cube, Canyon oder auch Rose jüngst die Preise auf EMTBs spürbar gesenkt haben, geht man in Arizona, USA, nicht mit. Es scheint fast so, als nutze man den Preis bewusst, um das Premium-Image damit zu verfestigen.

Zugverlegung Pivot Shuttle LT
Die Bremsleitung ist die einzige Leitung, die noch nach hinten verlegt werden muss, und das geschieht klassisch durch das Unterrohr.
Zugverlegung Pivot Shuttle LT
Wer will, kann die Leitung aber auch durch den Steuersatz verlegen. Der Rahmen gibt die Option her.
Fox Podium
Bei Preisen jenseits der 10K-Grenze gehört eine Podium-Gabel von Fox zum guten Ton.
Fox X2 Dämpfer
Auch der dicke Fox X2-Dämpfer muss in der Preisklasse nicht extra betont werden. Es ist der beste Luftdämpfer auf dem Markt.
Flaschenhalter-Optionen
Einen Range Extender oder Flaschenhalter kann man natürlich auch ans Unterrohr schrauben.
Sram Maven Bremsen
Srams Maven-Bremsen verzögern auch schwere Fahrer ohne Probleme.

Pro

  • maximale Anpassbarkeit
  • geniale Fahreigenschaften
  • Top-Hinterbau
  • leicht, trotz Wechselakku

Contra

  • teuer
  • Optionen oft aufwändig umzubauen
Pivot Shuttle LT Fazit
Das Pivot Shuttle LT. Ein Bike, das für jede Situation gerüstet ist.

Fazit zum neuen Pivot Shuttle LT

Das Pivot Shuttle LT ist eine technische Machtdemonstration. Es ist bergab eines der fähigsten E-MTBs am Markt. Die Fülle an Optionen – vor allem der variable Sitzwinkel und die Akku-Wahl – ist kein Marketing-Gag, sondern bietet echten Mehrwert für Biker, die ihr Setup perfektionieren wollen. Wer das nötige Kleingeld hat, bekommt hier ein Bike, das keine Kompromisse erzwingt, sondern maximale Freiheit lässt und bergab voll abliefert.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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