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Rose Bonero Plus im Test

Das neue Rose Bonero will sich als E-MTB Hardtail nicht im Einsteigersegment einordnen lassen. Für wen ist das Konzept mit Carbonrahmen, TQs dezentem light Motor und hochwertiger Ausstattung gedacht?

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Sparfüchse werden enttäuscht sein. Mit 4499 € fällt das günstigste Modell des neuen Rose Bonero Plus nicht billig aus. Mit einem Carbon-Hardtail, 140 mm Federweg und E-Bike-Motor tritt Rose ganz bewusst zur Seite und lässt den Mainstream vorbeifließen. Umso spannender ist es für uns, den Erfüllungszweck dieses Exoten wirklich herauszufinden.

Rose Bonoero Plus Test
Undercover E-Bike. Das neue Rose Bonero Plus punktet mit dezenter Optik und eigenwilligem Konzept. Aber für wen ist das E-Trailhardtail die richtige Wahl?

Key Facts zum Canyon Neuron:ON Fly

  • Motor: TQ HPR 50
  • Akku: 360 Wh (Range Extender mit 160 Wh kompatibel)
  • Federweg: 140 mm
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Preise: 4 Modelle von 4.499 € bis 5.799 €
  • Gewichte: von 16,5 bis 16,9 Kilo
  • Besonderheit: Lenkanschlagsbegrenzer, einzigartiges Design

Trailhardtails - jenseits jeder Rationalität

Bei den unmotorisierten Bikes haben Trailhardtails eine große Fangemeinde. Sie sind in Sachen Grip und Komfort einem Fully, auf technischer Ebene, zwar ganz klar unterlegen, haben dafür aber andere Argumente, mit denen sie zu überzeugen wissen.

Zum einen haben Trailhardtails einen herrlich unkonventionellen Charme in einer Welt, die auf Perfektionismus ausgelegt ist. Zum anderen sind sie leichter, günstiger und deutlich robuster als vollgefederte Mountainbikes. Und mit genau diesen Argumenten hat uns auch das Rose Bonero ohne E-Bike-Motor schon in seinen Bann gezogen. Doch wie sehr lassen sich diese Argumente auf ein E-MTB übertragen?

Rose E-Bike Hardtail
Trailhardtails haben eine riesige Fangemeinde bei den herkömmlichen Mountainbikes. Verfängt das reduzierte Konzept auch mit Motor?

16,8 Kilo - das ist leicht

Zumindest das Gewichtsargument zieht auch bei den EMTBs. Wir haben das Bonero Plus 2 mit 16,8 Kilo gewogen. Damit ist es 1 Kilo leichter als Specializeds 14.000 € teures Turbo Levo SL und auch ein halbes Kilo leichter als das Scott Lumen für 10.000 €. Zieht man diesen Vergleich, merkt man: Auch wenn 4999 € kein Schnäppchen sind, zieht sowohl das Argument für den Preis als auch das Argument für das Gewicht beim elektrifizierten Bonero.

Gewicht Federweg Motor Akku Preis
Rose Bonero Plus 2 16,8 Kilo 140 / - mm TQ HPR 50 360 Wh 4.999 €
Specialized Turbo Levo SL 17,6 Kilo 160 / 150 mm Specialized SL 1.2 320 Wh 14.000 €
Scott Lumen 16,99 Kilo 140 / 140 mm TQ HPR 50 360 Wh 9.999 €
Cannondale Moterra SL 19,9 Kilo 160 / 150 mm Shimano EP801 600 Wh 9.999 €
Canyon Neuron:ON Fly 19,1 Kilo 140 / 140 mm Bosch SX 400 Wh 7.999 €
Mondraker Neat 17,99 Kilo 160 / 150 mm TQ HPR 50 360 Wh 11.999 €
Santa Cruz Heckler SL 19,3 Kilo 160 / 150 mm Fazua Ride 60 430 Wh 10.999 €
Cube AMS Hybrid One44 16,2 Kilo 140 / 140 mm Bosch SX 400 Wh 7.999 €
Focus Vam² SL 18,6 Kilo 140 / 140 mm Fazua Ride 60 430 Wh 6.899 €
Gewicht Rose Bonero Plus
Für unseren Test wiegen wir die Bikes immer ohne Pedale. Denn das Gewicht spielt als wichtige Kenngröße nicht nur für die Fahreigenschaften, sondern auch im Alltag eine große Rolle.
Gewicht Rose Bonero Plus
Mit 16,8 Kilo ist das Rose Bonero Plus tatsächlich ein Leichtgewicht unter den E-Bikes. Fullys in dieser Gewichtsklasse sind mindestens doppelt so teuer.

Wer sein Bike regelmäßig ins Auto ein- oder ausladen will, oder es mehrere Stockwerke in die Wohnung tragen muss, wird den Vorteil des Gewichts auch jenseits des Trails spüren und lieben.

Spannend ist es hier auch, über den Tellerrand der E-MTBs zu blicken. Das Rose Bonero ohne Motor haben wir 2023 aufgrund einer genialen Preis-Leistung und einem wirklich stimmigen Konzept zum “Editors‘ Choice” Bike auserkoren. Die Bioversion war mit einem Preis von 2200 € etwa nur halb so teuer und wog mit 12,6 Kilo fast 4 Kilo weniger. Das Update mit dem Motor fällt also im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht.

Auf der anderen Seite bringen Biobikes mit Dämpfer im Heck wie das All Mountain Fully Canyon Spectral bei einem Preis von über 4000 € auch ohne Motor fast 16 Kilo auf die Waage. Man könnte also salopp sagen: Ein Fully ohne Motor oder ein Hardtail mit Motor, gewichtstechnisch läuft’s aufs Gleiche hinaus.

Rose Bikes Bonero
Wir haben in unserem Schwesterportal bike-test.com auch das Rose Bonero ohne Motor bereits getestet. Bei einem Preis von 2000 € bringt es nur 12,6 Kilo auf die Waage,
Canyon Spectral
Zur Einordnung des Gewichts des Rose Bonero Plus ist der Blick auf das Canyon Spectral ohne Motor ganz hilfreich. Das Biobike Fully kostet dasselbe und wiegt ohne Motor nur ca. 1 Kilo weniger.

Ist ein E-MTB jemals wartungsarm?

Bei Trailhardtails kommt immer das Argument, dass sie deutlich wartungsärmer sind als ein Fully. Der Grund: Ohne Dämpfer und Gelenke im Rahmen gibt es viele Stellen weniger, die im normalen Gebrauch über kurz oder lang Ärger machen. Knarzende Geräusche, Lagerschäden, Spiel im Hinterbau, wer kennt es nicht. All diese Punkte umgeht ein Hardtail.

Und natürlich umgeht auch das Bonero Plus diese Punkte. Aber kann man ein E-MTB, das abhängig von der Steckdose ist und zwangsläufig irgendwann nach Updates verlangt, wirklich als wartungsarm, vielleicht sogar minimalistisch bezeichnen? In einer absoluten Betrachtung wohl eher nicht. Im Vergleich mit einem E-MTB-Fully definitiv.

Ladebuchse Rose Bikes Bonero Plus
Der Akku ist fest im Unterrohr verschraubt und kann nur entnommen werden, wenn man den Motor ausbaut. Strom kommt nur über die Ladebuchse ins System.
E-Bike Hardtail
Wo bei Fullys eine aufwendige Hinterbaukonstruktion mit vielen Gelenken und einem Dämpfer ist, glänzt das Hardtail mit schlichten Carbonrohren. So reduziert sich der Stress bei der Wartung deutlich.
Kategorie 4
Rose meint es ernst. Das Bonero Plus ist ein Bike der Kategorie 4 und damit für den ernsthaften Traileinsatz ausgelegt. Wer will, kann dem Bike auch im Gelände ordentlich die Sporen geben.

TQ Motor ermöglicht die Geburt einer Stilikone.

Der TQ Motor ist der schlankste EMTB-Motor auf dem Markt. Der Motor selbst versteckt sich nahezu unsichtbar hinter dem Kettenblatt. Der kleine 360-Wh-Akku macht Unterrohrdimensionen möglich, die man so auch von einem unmotorisierten Bike gewohnt ist.

Rose spielt diesen Joker des TQ Motors ganz bewusst und macht das Bonero mit einer ästhetischen Linienführung zu einer Stilikone unter den EMTBs. Obwohl es dank seiner Formgebung für intensive Blicke sorgt, würde vor einer Eisdiele der Großteil der Passanten das Bonero Plus nicht als E-Bike erkennen. Das ins Oberrohr integrierte Display und der minimalistische Remote-Hebel fügen sich so unauffällig ins Bild des Bonero, wie man es von EMTBs kaum kennt.

Und auch auf dem Trail agiert der TQ HPR 50 so leise, dass die Motorengeräusche im Fahrtwind tatsächlich untergehen. Motoren wie der Fazua oder der Bosch CX unterstützen zwar kräftiger, machen sich auf dem Trail aber auch deutlich mehr bemerkbar. Denn die spezielle Ping-Ring-Technologie von TQ macht diesen Motor zum einzigen Motor auf dem Markt, dessen Getriebe nicht klappert, wenn man über den Trail düst.

TQ HPR 50
Der kleine TQ-Motor ist nur von der Nicht-Antriebsseite erkennbar. Er ist optisch wie auch beim Fahrgeräusch aktuell der dezenteste Motor.
TQ Display
Im Oberrohr sitzt das TQ-Display nicht nur gut versteckt, sondern auch gut geschützt, sollte man mal stürzen.
TQ Remote Hebel
Kleiner wird es nicht. Der TQ Hebel, um zwischen den Unterstützungsstufen zu wechseln, verschmilzt mit der Optik des Lenkers und hat eine sehr angenehme Haptik.

Stimmige Rahmendetails zeugen von Herzblut

Aber der Stil des Rose Bonero Plus lebt nicht allein vom dezenten und gut integrierten Motor. Die Entwickler aus Bocholt haben auch auf Details wie die Integration der hinteren Bremsaufnahme geachtet. So ist nicht nur der Bremssattel gut ins Design integriert, sondern der Carbonrahmen kommt völlig ohne empfindliche Gewinde aus. Denn diese sitzen allesamt in einem Adapter aus Aluminium, welcher sich auf der Hinterachse abstützt.

Außerdem bietet der Hinterbau auch genügend Reifenfreiheit, um bei Bedarf einen 2,6er-Reifen aufzuziehen. So lässt sich im Nachgang der Komfort des Bikes nochmal steigern. Mit dem UDH Schaltauge bekommt man, im Falle eines Defekts, nicht nur schnell Ersatz, sondern kann langfristig auch auf Srams Transmission Antriebe umbauen. Hier ist man wirklich zukunftsfähig aufgestellt. Leider hat der Hinterbau keinerlei Anschraubpunkte für einen Gepäckträger oder Schutzblech. Das Rose Bonero ohne Motor bietet diese Option.

Bonero Plus Bremsaufnahme
Die Hinterradbremse versteckt sich im hinteren Rahmendreieck. Ein Detail, das zum Designkonzept des Rose sehr gut passt.
Bremsaufnahme Rose Bonero
Die Bremsanlage sitzt dabei auf einem Alu-Adapter, der sich zusätzlich auf der Hinterradachse abstützt. So wird das Defektrisiko des Rahmens auf ein Minimum reduziert.
Reifenfreiheit Rose Bonero Plus
Ab Werk ist ein 2,4er-Hinterreifen verbaut. Im Rahmen ist aber genügend Platz, um auch einen breiteren 2,6er-Schlappen zu montieren.
Sram UDH Schaltauge
Unser Testbike hatte eine Shimano XT-Schaltung verbaut. Mit dem UDH-Schaltauge lässt sich aber auch eine Transmission-Schaltung von SRAM (wie beim Topmodell) montieren.

Im Gelände: Das Bonero hat eine gespaltene Persönlichkeit

Auch wenn der Motor maximal nur 300 Watt leistet, unterstützt er im Gelände bergauf deutlich. Im Vergleich zu anderen Light-Motoren, wie dem Bosch SX, liegt beim TQ die volle Power auch schon bei geringer Kadenz an. Das hilft vor allem beim Klettern im technischen Gelände. Bei entsprechender Fahrtechnik lässt sich das Bonero Plus auch super präzise im Singletrail bergauf manövrieren. Dank des geringen Gewichts kann man das Hinterrad, wie bei einem MTB ohne Motor, leicht über Geländekanten ziehen. So schrubbt man auch auf garstigen Uphills Höhenmeter für Höhenmeter mit viel Fahrspaß nach oben.

Bonero Plus Test
Bergauf ist der TQ kein Dampfhammer, aber er liefert seine 300 Watt Spitzenleistung bereits bei geringer Kadenz. Vor allem im Gelände ist das hilfreich.

Ist man weniger im Gelände, sondern mehr auf Schotterwegen oder Asphalt unterwegs, gibt sich das Bonero als sportlicher Partner. Die Schwalbe Reifen rollen gut. Die Sitzposition fällt leicht sportlich aus. Und auch oberhalb der Unterstützungsgrenze des Motors lässt sich das Bonero noch erstaunlich gut treten. Der TQ Motor leistet dann jedenfalls keinen Widerstand.

Im Singletrail bergab macht das Bonero Plus nach kurzer Eingewöhnungsphase erstaunlich viel Spaß. Der lange Hauptrahmen und der flache Lenkwinkel sorgen auch bei höherem Tempo für ein sicheres Fahrgefühl. Allerdings muss einem klar sein: Wenn größere Wurzeln, Steine oder gar Sprünge vor einem liegen, wird es hart. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der fehlende Dämpfer im Heck macht sich dann einfach bemerkbar. Draufhalten und drüber rollen, wie bei einem Fully, läuft nicht.

SIZE XXS XS S M L XL XXL
Hersteller-Größenbezeichnung
-
-
s
m
l
xl
-
Laufradgröße
-
-
29
29
29
29
-
Stack
-
-
632
633
646
664
-
Reach
-
-
425
455
485
515
-
Oberrohrlänge
-
-
582
611
644
678
-
Sitzrohrlänge
-
-
400
430
460
500
-
Sitzwinkel
-
-
76
76
76
76
-
Steuerrohrlänge
-
-
100
100
115
135
-
Lenkwinkel
-
-
65
65
65
65
-
Tretlagerabsenkung
-
-
60
60
60
60
-
Tretlagerhöhe (absolut)
-
-
318
318
318
318
-
Kettenstrebenlänge
-
-
446
446
446
446
-
Radstand
-
-
1186
1215
1253
1291
-
Überstandshöhe
-
-
762
7866
798
817
-
Rose Bonero Plus Test
Leichte Trails mit wenig Wurzeln und Steinen machen auch mit Bonero Plus richtig Spaß.

Hier muss das Hinterrad ganz bewusst entlastet werden, um Hindernisse zu managen. Vor allem bei höherem Tempo im Trail ist das nicht immer möglich. Und dann bekommt man die hohe ungefederte Masse des Bonero Plus zu spüren. Trifft das Hinterrad ungebremst auf ein Hindernis, bremst das nicht nur die komplette Fahrt, sondern bringt auch ein Stück weit ein unangenehmes, unsicheres Gefühl mit sich. Auf leichten, flowigen Trails oder Schotterwegen weiß das Bonero Plus zu überzeugen. Wurzelteppiche und Steinfelder gehören aber nicht zu seinen Paradedisziplinen.

Rose Bonero Plus Test
Je verblockter es wird, desto mehr kommt das ungefederte Heck zum Vorschein. Da ist Feingefühl bei der Linienwahl gefragt.
Rose Bonero Plus Test
Landungen nach kleineren Sprüngen muss man mit den Beinen abfedern. Hier kann man sich nicht auf den Komfort eines Fullys verlassen.
Shimano SLX Bremse
Die starke Bremsanlage mit 4 Kolben pro Sattel und großen Scheiben verzögert selbst im steilsten Gelände ausreichend.
Teleskopstütze
Die Teleskopstütze mit üppigem Hub hilft im Gelände ungemein und signalisiert: Das Bonero ist kein typisches Eisdielen-Hardtail. Es will wirklich ins Gelände.

Rose Bonero Plus

Macht das Rose Bonero Plus auf einer rationalen Ebene Sinn? Für eine spitze Zielgruppe sicherlich. Macht es Spaß? Eindeutig, ja. Es macht Spaß beim Anschauen, es macht Spaß im Alltag und es macht Spaß auf dem Trail. Auch wenn die hohe ungefederte Masse den Einsatz auf harten Trails nur außerhalb der Komfortzone erlaubt, ist dieser möglich.

Wohler als auf rauen Trails fühlt sich das Bonero tatsächlich, wenn der Untergrund tendenziell glatt bleibt. Zusammen mit dem Range Extender ist es dann auch ein guter Partner für Touren. Die Kombination aus herrlich unkonventionell und unverschämt schick schafft es im Unterbewusstsein irgendwie den Haben-Will-Effekt auszulösen.

Alle Rose Bonero Plus Modelle im Überblick

Das Rose Bonero Plus gibt es in drei Ausstattungsvarianten von 4499 – 5799 Euro. Wir haben einen Blick auf alle Optionen geworfen. Mit dem Pfeil-Symbol Bikes direkt vergleichen, könnt ihr die einzelnen Modelle auch in den Vergleich mit jedem anderen Bike aus unserer großen Marktübersicht ziehen.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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