Futur Now?

Testbericht: Bulls Sonic AM 4 ABS

Mit dem Sonic AM 4 ABS liefert Bulls weit mehr als nur ein EMTB. Es ist ein Statement in Sachen Systemintegration. Während andere Hersteller noch über Kategorien diskutieren, schickt Bulls ein Bike ins Rennen, das den Alltag und Sport unter einen Hut bringen will – und das zu einem Preis, der die Konkurrenz nervös machen dürfte.

Bulls Sonic AM 4 ABS
Bulls weiß es, mit einem schlanken Oberrohr ein futuristisches Design zu erzeugen. Passend dazu strotzt das Bulls Sonic AM 4 ABS vor modernen Features.

Bulls treibt den Gedanken der Vernetzung auf ein Maximum. Das Herzstück des Sonic AM4 ABS ist der futuristische Rahmen mit ultraflachem Oberrohr. Aber der Rahmen tanzt nicht nur optisch aus der Reihe, sondern beherbergt technische Features, die man sonst mühsam nachrüsten muss.

Besonders beeindruckend ist die Lichtanlage: Eine direkt im Steuerrohr integrierte Frontleuchte (MonkeyLight Kurvenlicht), die dem Lenkeinschlag folgt, sowie formschön ins Heck integrierte Rückleuchten machen das Bike sofort alltagstauglich.

Hinzu kommt eine clevere SP-Connect Schnittstelle am Lenker für die Handy-Montage inklusive Ladefunktion, die den Bordcomputer auf Wunsch ersetzt. Die elektronische SRAM AXS Schaltung wird direkt aus dem 800-Wh-Hauptakku gespeist – lästiges Laden kleiner Zusatzakkus entfällt. Abgerundet wird das Paket durch das Bosch ABS-System, das Risiken im Alltag minimiert. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert und ganz klar der Blick über den Tellerrand geworfen.

Fahrrad-Kurvenlicht
Im Steuerrohr ist eine Leuchte integriert, die für Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgt, ohne das Mountainbike-Design des Bikes zu untergraben.
integriertes Rücklicht
Auch im Hinterbau hat Bulls mit kleinen roten LEDs geschickt eine Beleuchtung integriert.
integriertes Rücklicht
Sowohl die Front- als auch die Heckleuchten ziehen ihre Energie aus dem E-Bike-Hauptakku und müssen nicht separat geladen werden.
Bosch EMTB ABS
Klingt futuristisch, ist aber Realität. Das Sonic AM 4 ABS hat ab Werk ein Anti-Blockier-System an Bord.

Motorsystem: Der neue Bosch CX Gen 5

Zwischen den Kurbeln arbeitet das neueste Aggregat aus dem Hause Bosch: der Performance Line CX der 5. Generation. Der Motor ist nicht nur gewohnt kraftvoll, sondern im Vergleich zum Vorgänger deutlich leiser und feinfühliger geworden.

Bosch CX Gen 5 Motor
Der Bosch CX Motor der 5. Generation ist der beliebteste Motor Deutschlands, und das zu Recht. Er hat Power, ist leise und lässt sich perfekt modulieren, ohne zu zicken.
Bosch PowerTube 800
Den 800er Akku kann man wie bei allen Sonic-Modellen seitlich aus dem Rahmen herausnehmen.
SP-Connect-Schnittstelle
Ein Display gibt es beim Sonic AM 4 ABS nicht. Wer Infos haben will, kann sein Handy mittels ab Werk vorhandener SP-Connect-Schnittstelle an den Lenker schnallen.

In Kombination mit dem großen 800-Wh-Akku, der sich dank der Sonic-typischen Entnahme (45-Grad-Winkel) spielend leicht nach oben herausnehmen lässt, bietet das System Reichweite für massive Tagestouren von über 2000 hm. Die Steuerung erfolgt minimalistisch und modern über die ins Oberrohr integrierte System-Controller-Einheit. Und dem unscheinbaren Mini Remote am linken Griff.

Ein Display hat das Bike ab Werk nicht, dafür lässt sich an die Monkey Link Schnittstelle vor dem Lenker nach Bedarf ein Handy montieren. Mehr Infos zu Boschs CX Motor der 5. Generation liefern wir in unserem separaten Videofeature.

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Braucht ein Fahrrad ein ABS?

Am Auto sind ABS Systeme nicht mehr wegzudenken. Am Fahrrad warten sie noch auf den ganz großen Durchbruch. Vor allem Bosch versucht, die Technologie zu etablieren, und arbeitet dafür mit Bremsenherstellern wie Magura, TRP oder auch Shimano zusammen und verbaut eine ABS-Regelzentrale zwischen Vorderradbremse und dem entsprechenden Bremsgriff.

Sobald der an der Bremsscheibe montierte Sensor merkt, dass das Rad blockiert, gibt der ABS-Regler ein minimales Ölvolumen frei, sodass das Vorderrad gerade noch rotieren kann. Am Bulls Sonic AM 4 ABS ist noch ein älteres ABS-System verbaut, das auch am Hinterrad eine Sensorscheibe hat. Das System greift aber nur am Vorderrad ein. Boschs neuestes ABS spart sich den Sensor am Hinterrad auch.

Das System funktioniert, ohne dass man sich darauf einstellen muss. Wenn man eine Vollbremsung am Vorderrad provoziert, greift der Regler kaum spürbar ein. Neben der Funktion stellt sich primär die Frage nach dem Anwendungsfall. Wer sportlich unterwegs ist, hat seine Bremse im Griff und kann im Gelände sicher auch auf das System verzichten. Sinnvoll ist es dagegen bei der Alltagsnutzung, wenn man auf rutschigen Untergründen unerwartet eine Gefahrenbremsung hinlegen muss. Es macht durchaus Sinn, die üppige Power der Gustav Pro in so einem Fall mit einem elektronischen Assistenten zu überwachen. Denn die Bremse greift mächtig zu.

Wir haben ein ABS-System auch im Langzeittest bei einem anderen Testbike (Centurion Numinis) im Einsatz und haben dort nach 1000 km noch keinen Ärger oder Wartungsaufwand.

Bosch ABS-System
Das ABS-System wird rückseitig am Gabelcasting montiert und regelt den Öldruck im Ernstfall zwischen Bremssattel und Bremshebel.
Bosch ABS-System
Das am Bulls verbaute ABS-System hat auch am Hinterrad noch eine Sensorscheibe. Diese liefert aber nur Informationen. Das ABS greift nur am Vorderrad ein.
Bosch ABS-System
Selbst bei rutschigen Verhältnissen im Gelände verhindert das ABS-System ein blockierendes Vorderrad. Der große Mehrwert eines ABS liegt aber mit Sicherheit in der alltäglichen Anwendung.

Guter Preis: Ein Feature-Feuerwerk ohne Aufpreis

Mit einem Preisschild von 5.799 € positioniert Bulls das Sonic AM 4 ABS aggressiv. Werden bei anderen Premium-Marken für ABS, integriertes Licht und elektronische Schaltung oft deutlich über 7.000 € fällig, bietet Bulls hier ein Gesamtpaket, das in diesem Marktumfeld seinesgleichen sucht.

Es ist fast so, als würde man die Innovationen der Zukunft zum Preis der Mittelklasse von heute kaufen. Man bekommt hier „einmal alles mit scharfer Sauce“, ohne das Budget für einen Kleinwagen sprengen zu müssen. Das umfassende Gesamtpaket bei der Ausstattung kommt aber auch mit einem Nebeneffekt daher.

Das Bike ist mit seinem Carbon Hauptrahmen und Alu Hinterbau, den dicken Reifen und den Zusatzfeatures relativ schwer. Über 25 Kilo bringt es auf die Waage. Ein flinkes Trailwiesel sieht anders aus.

Sonic Design
5799 € sind eine Menge Geld. In der sportlichen E-Bike-Welt und vor allem gemessen an der Ausstattung des Bulls Sonic AM 4 ABS aber tatsächlich ein sehr guter Preis.
Alu-Hinterbau
Der Hinterbau ist aus Aluminium, der Hauptrahmen aus Carbon.
Lenker-Vorbau-Kombination
Bulls setzt auf eine hauseigene Lenker-Vorbau-Combination aus Carbon für absolutes High-End Feeling am Cockpit.
Bulls Lytro-Gabel
Die Bulls Lytro Federgabel wird von SR Suntour gefertigt und hat einen dickeren Gabelschaft (1,8 Zoll) als herkömmliche Modelle. Das erhöht die Steifigkeit.
Sram Transmission Schaltwerk
Im Heck schaltet Srams neue Transmission-Technologie absolut fehlerfrei, auch bei viel Last auf der Kette. Der Strom fürs Schaltwerk kommt vom Hauptakku des E-Bikes. Leider ist uns im Test aber die Knopfzelle im Schalthebel bei eisigen Temperaturen einmal ausgegangen.

Fahrverhalten: Sicherer Allrounder mit straffem Charakter

Im Alltag ist das Sonic AM 4 eine Wucht. Die Kombination aus ABS und der massiven Magura Gustav Pro Bremsanlage vermittelt eine Sicherheit, die gerade bei widrigen Bedingungen oder Schreckbremsungen unschlagbar ist. Das Vorderrad blockiert nie, die Fahrt bleibt auch für ungeübte Fahrer stets sicher. Das Handling ist durch das Gewicht von 25,4 kg und den massiven Aufbau eher laufruhig als verspielt.

Auf dem Trail zeigt sich das Fahrwerk (SR Suntour/RockShox-Mix) eher straff abgestimmt. Es bietet zwar genug Reserven fürs Gelände, vermittelt aber nicht das plüschige „Bügelbrett-Gefühl“ von High-End-Fahrwerken. Auch der fehlende Ausgleichsbehälter am Dämpfer macht klar: Das Sonic AM 4 ABS schreckt vor Trails nicht zurück, fühlt sich aber im leichten Gelände oder auf Schotterwegen deutlich wohler.

In engen Kehren wirkt das Bike durch das Gewicht etwas träge, was durch die hohe Front unterstrichen wird. Dennoch: Wer ein Bike sucht, das den täglichen Pendelweg mit derselben Souveränität meistert wie gelegentliche Ausflüge ins Gelände, findet hier den perfekten Partner.

Bulls Sonic ABS
Der Bosch CX schiebt und schiebt und schiebt. Bergauf liefert der Motor genügend Power, um auch als untrainierter Fahrer ein Erlebnis zu bekommen, das begeistert.
Bulls Sonic AM 4 Action
Mit über 25 Kilo ist das Bulls Sonic AM 4 tendenziell schwer. Es macht bergab Spaß und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl, ist aber kein Trailwiesel.

Die sportlichen Alternativen

Wer ein reinrassiges EMTB sucht, bekommt das auch bei Bulls. Wir hatten das Sonic Evo AM SX für Tourenfahrer und das Sonic EN-R bereits bei uns im Test und können bestätigen. Bulls kann auch die Extreme im Mountainbike Bereich gut abdecken. Der Ansatz beim Sonic AM 4 ABS war aber wohl eher ein anderer. Wer nach einem leichten EMTB zum Top-Preis sucht, findet das mit dem Bulls Sonic Evo AM SL. An der Modellvielfalt scheitert es dem Kölner Unternehmen sicher nicht.

Bulls Sonic EDR
Wer es bergab mehr krachen lassen will, wird eher mit dem Sonic ED-R glücklich.
EMTB-Action
Denn das ED-R macht keine Mischkalkulation zwischen Alltag und Offroadeinsatz, sondern ist ein reinrassiges EMTB.
Bulls Sonic SX
Das Sonic AM SX kommt deutlich schlanker und mit kleinerem Bosch SX Motor daher und spricht vor allem Biker mit Leichtbau-Vorlieben an.

Pro

  • integriertes Licht
  • absolut sicheres Fahrverhalten
  • futuristisches Design
  • guter Preis
  • zentrale Stromversorgung von Lichtanlage und Schaltwerk
  • großer entnehmbarer Akku
  • SP-Connect-Schnittstelle

Contra

  • relativ schwer (über 25 Kilo)
  • technisch komplex durch viel Integration
  • kein Display ab Werk
  • kein Trailwiesel

Fazit zum Bulls Sonic AM 4 ABS

Das Bulls Sonic AM 4 ABS ist ein Hybrid für Technik-Enthusiasten. Es ist weniger das agile Spielzeug für Trail-Akrobaten, sondern vielmehr das „SUV der E-MTBs“: sicher, modern und üppig ausgestattet und mit einer Integration gesegnet, die Maßstäbe setzt. Wer mit dem etwas höheren Gewicht und dem straffen Fahrwerk leben kann, bekommt ein innovatives Gesamtpaket zum Spitzenpreis. Puristen werden anderswo fündig.

Über den Autor

Ludwig Döhl

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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