Maxon Drive Air S im Test
Bisher mussten sich E-MTB-Fahrer entscheiden: Entweder die volle Power eines schweren Motors oder das natürliche Fahrgefühl eines leisen Light-Systems. Der Schweizer Motorspezialist Maxon will dieses Dilemma mit dem Drive Air S beenden. Der Motor ist so stark wie ein Shimano EP801 und so klein, leicht und leise wie ein TQ HPR 60.
Power: PS-Geprotze war gestern
In unserem standardisierten Testaufbau (100 kg Systemgewicht, 150 W Input, 85 U/min) lieferte der Drive Air S beeindruckende 470 Watt. Damit liegt er fast gleichauf mit einem klassischen Bosch CX der 4ten Generation (480 W) oder dem Shimano EP801 und deutlich über Light-Motoren wie dem TQ HPR 50 (ca. 300 W) oder dem Bosch SX (370 W).
Motoren wie der DJI Avinox oder der Bosch CX der 5ten Generation liefern mittlerweile weit mehr als 600, in der Spitze sogar 1000 Watt. Damit entwickeln sich Bikes mit diesen Motoren immer mehr weg vom natürlichen Fahrgefühl und hin zu absoluten Powerhorses. Die Diskussion darüber ist im vollen Gange und nicht jeder sieht das Leistungsgeprotze bei Gefährten, die auf Waldwegen unterwegs sind, als sinnvoll an. Auch wir hatten dazu ein Meinungsstück, das die Sache ganz klar hinterfragt.
Sportlicher Charakter für aktive Biker
Die Leistungsentfaltung ist beim Maxon Drive Air S bewusst sportlich abgestimmt. Wer gemütlich mit niedriger Trittfrequenz dahincruisen will, wird vom Motor wenig Unterstützung ernten.
Sein Trittfrequenz „Sweetspot“ beginnt ab 85 Umdrehungen pro Minute. Auch beim Input verlangt er nach Einsatz: Erst ab ca. 175 Watt Eigenleistung gibt das System die volle Power frei. Das macht den Antrieb vor allem für Fahrer, die das Mountainbiken noch als Sport verstehen und die volle Unterstützung nicht permanent abrufen wollen, besonders interessant. Ist man bereit, die volle Unterstützung zu liefern, bekommt man vom Motor immerhin 320 % Unterstützung zurück.
Reichweite und verschiedene Unterstützungsmodi
Aus dem 400er Akku, der im Unterrohr des Dirtlab fest verbaut ist, haben wir 1056 hm Reichweite wieder unter einheitlichen Testkriterien bei voller Unterstützungsleistung bekommen. Für die meisten Touren reicht das, für extra lange Tage im Sattel tut man sicher gut daran, mit der mittleren Unterstützungsstufe Akku zu sparen. Dann sinkt die Leistung um ca. 30 %, und in dem Umfang dürfte auch die Reichweite steigen. Man ist in der mittleren Unterstützungsstufe leistungstechnisch auf Augenhöhe mit einem Fazua Ride 60 oder einem Bosch SX.
Zum Vergleich: Aus einem Bosch SX Motor mit 400er Akku haben wir unter komplett einheitlichen Bedingungen 1244 hm gekitzelt, bevor der Akku leer wurde. Ein TQ HPR 50 Motor in Kombination mit einem 360 Wh Akku packt hier 1098 hm. Alle Werte wurden immer in der jeweiligen maximalen Motorunterstützung ermittelt, welche bei den beiden angesprochenen Systemen deutlich niedriger ausfällt als beim Maxon Drive Air S.
Der 250 Wh Range Extender ist für Tourenfahrer Pflicht. Maxon selbst spricht auch von Entwicklungsplänen zu einem 600 Wh Akku. Aktuell ist dieser aber noch nicht auf dem Markt.
Sound - Das kann keiner leiser
Im oben verlinkten Video haben wir vergleichbare Soundfiles hinterlegt, die eindeutig zeigen: Der Maxon Drive Air S ist beim Unterstützen sogar leiser als der TQ HPR 60. Und dieser Motor war bislang die Benchmark beim Sound. Motoren wie der Shimano EP801, der Bosch CX oder der DJI Avinox sind deutlich lauter.
Unaufdringlicher liefert kein Motor seine Leistung ab. Auch im Singletrail bergab klappert das Getriebe des Motors nicht. Hier kommt echtes Mountainbike Feeling auf. Statt Ritzel-Rasseln hat man hier wieder den Sound der Natur im Ohr, wenn man durch den Wald düst.
Peripherie und Alltag
Maxon setzt auf Minimalismus. Statt eines klobigen Displays gibt es eine ANT+ Schnittstelle, die Daten direkt auf vorhandene GPS-Geräte (Garmin, Wahoo, Sigma Sport etc.) spielt. Das spart Gewicht und sorgt für ein cleanes Cockpit.
Das Ladegerät-Konzept ist zweigeteilt: Ein kompaktes 2-Ampere-Gerät für den Rucksack und ein 6-Ampere-Schnelllader für zu Hause, der den Akku in 4–5 Stunden füllt.
Der Bedienhebel zum Wählen des Unterstützungsmodi ist ebenfalls minimalistisch und hat eine angenehme Haptik. Hier lassen die Schweizer nichts anbrennen.
Pro
- Unglaubliches Leistungs-Gewichts-Verhältnis
- Der aktuell leiseste Motor am Markt
- Kein Klappern in der Abfahrt
- Sehr kleines Baumaß
Contra
- Benötigt hohe Trittfrequenz für volle Power
- Akku mit 400 Wh für Full-Power-Modus knapp
- wenig Modelle mit diesem Motor verfügbar
Fazit zum Maxon Drive Air S
Der Maxon Drive Air S ist ein technisches Meisterstück. Er liefert die Kraft eines Full-Power-Motors bei der Akustik und dem Gewicht eines Light-Systems. Wer einen sportlichen Fahrstil pflegt und Wert auf ein lautloses Bike legt, findet hier aktuell die Benchmark. Die Schweizer treten damit eine Entwicklungswelle los, welche Hersteller wie Bosch, Shimano und DJI in Zugzwang bringt. Die Zukunft liegt im Bereich der sinnvollen Motorleistung ohne nervige Nebeneffekte (Sound, Gewicht…) und klobiges Design.






