Orbea Wild im Test
170 mm Federweg, volle Bosch-Power und eine Race-DNA, die direkt aus dem Downhill-World-Cup stammt. Das Orbea Wild schickt sich an, den Thron der Hard-Hitting E-Enduros zu erklimmen. Wir haben den spanischen Edel-Boliden durch den Dreck gejagt und geklärt: Ist es nur schöner Schein oder die neue Referenz?
Ausstattung & Customizing: Das MyO-Programm
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal von Orbea ist das MyO-Programm. Während Konkurrenten wie Radon oder Rose über den Preis kommen, punktet Orbea mit Individualität. Unser Testbike kam in einer Lackierung und Ausstattung, die so nicht „von der Stange“ zu finden ist. Die Spanier sind mit ihrer Lackierung und Montage in Spanien super professionell aufgestellt und vielen Konkurrenten in Sachen Prozessbeherrschung überlegen.
Das MYO Programm bietet folgende Möglichkeiten:
- Individualisierung: Über den Online-Konfigurator lassen sich nicht nur Parts wie Bremsen oder Reifen wählen, sondern auch das komplette Rahmendesign individuell gestalten.
- Komponenten: Mit Fox Factory Fahrwerk (38er Gabel, X2-Dämpfer) und Shimano XT-Gruppe greifen die Basken ins oberste Regal, hier können aber jederzeit einzelne Bauteile getauscht werden.
- Bremsen-Tuning: Ein feines Detail sind die optionalen Galfer-Bremsscheiben, die durch ihre große Oberfläche für maximale Standfestigkeit auf langen Abfahrten sorgen.
Antrieb & System: Bosch-Power
Im Herzen des Wild schlägt der Bosch Performance Line CX (Gen 5). Zusammen mit dem DJI-Avinox-System markiert er aktuell die Benchmark bei den Full-Power-Aggregaten.
- Motorsteuerung: Die Leistungsentfaltung ist gewohnt souverän. Dank der präzisen Steuerung meistert man selbst die technischsten Uphill-Passagen ohne lästiges Ruckeln.
- Integration: Das Kiox-Display ist formschön ins Oberrohr integriert. In Verbindung mit der Shimano XT Di2-Schaltung bietet das System zudem smarte Features wie Auto Shift oder Free Shift (Schalten ohne zu treten).
Auf dem Trail: Dynamik trotz Federwegs-Plus
Die größte Überraschung liefert der Hinterbau. Viele Bikes mit 170 mm Federweg neigen dazu, im Federweg zu versinken und sich „störrisch“ anzufühlen. Nicht so das Wild.
Abfahrt: Grip trifft Gegendruck
Dank eines hohen Übersetzungsverhältnisses in der ersten Federwegshälfte bietet das Bike angenehmen Gegendruck. Wer aktiv fährt und das Bike durch Anlieger pusht, wird mit viel Pop belohnt. Wird es richtig ruppig, gibt der Fox X2 Dämpfer in der zweiten Hälfte die Reserven frei, die man von einem Enduro erwartet. Hier verläuft die Kurve für das Übersetzungsverhältnis deutlich flacher als zu Beginn des Federwegs. Der flache Lenkwinkel von 63,5° sorgt dabei für eine Laufruhe, die Sicherheit vermittelt, wenn andere Bikes unruhig werden. Wenn es zur Sache geht, kommt das DH-Worldcup-Gen des Orbea Wild raus.
Uphill: Ein Kletterkünstler
Trotz der abfahrtsorientierten Geometrie klettert das Wild exzellent. Mit einem Gewicht von 22,8 kg (in Rahmengröße M mit 600-Wh-Akku und Downhill-Reifen) gehört es zu den leichteren Vertretern seiner Zunft. Wer mehr Reichweite braucht, kann auf den 750-Wh-Akku oder einen Range Extender setzen – allerdings auf Kosten der Agilität.
Kritikpunkte
Wo Licht ist, ist auch Schatten: Das Ventil des Fox-X2-Dämpfers ist konstruktionsbedingt schwer erreichbar, weil die Dämpferpumpe an der Rahmenstrebe unten angeht. Hier ist beim Setup etwas Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt.
Die Bremsleitung am Hinterbau muss akkurat verlegt und befestigt werden. Wird hier geschlampt, kann es sein, dass sie gelegentlich an den Speichen streift.
Zudem ist das Wild kein Schnäppchen – unter 8.000 € ist bei den Top-Ausstattungen kaum einzusteigen. Die Option auf den großen 750er Akku zu setzen untergräbt das gute Gewicht des Wild etwas. Denn der 750er Akku von Bosch hat schon etwas Staub angesetzt, da er noch aus der Entwicklungszeit des Bosch CX Gen 4 stammt und auf ältere Zellen setzt. Das macht ihn bei weniger Kapazität in etwa gleich schwer wie den aktuellen 800 Wh Akku von Bosch.
Pro
- Herausragende Hinterbaukinematik
- Customizing über das MyO-Programm
- gutes Gewicht trotz massiver Downhill-Bereifung
- Bosch-Motor
Contra
- Dämpferventil schwer zugänglich
- Hoher Einstiegspreis
- kein entnehmbarer Akku
Fazit: Für wen ist das Orbea Wild?
Das Orbea Wild ist kein braves Tourenbike – dafür haben die Spanier das Rise im Programm. Das Wild ist ein Werkzeug für Enduro-Enthusiasten, die ein kompromissloses Bike für Bikeparks und technisches Gelände suchen. Die Kombination aus exzellenter Hinterbau-Performance, der enormen Individualisierbarkeit und dem bewährten Bosch-Antrieb macht es zu einem der besten E-Enduros, die man derzeit kaufen kann.






