Publikumsliebling im Wandel
Orbea Rise im Test

Das Orbea Rise zählt zu den beliebtesten EMTBs auf dem Markt. Mit größeren Akkus und einem stärkeren Motor geht das Bike mehr Richtung Full-Power-EMTB denn je. Wir haben der LT-Version mit 160 mm Federweg auf den Zahn gefühlt: Hat dieses Bike immer noch das Potenzial eines Publikumslieblings?

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Es ist nicht leicht, im Neuheitenfeuerwerk der EMTB-Branche den Überblick zu verlieren. Während Canyon und Cube zuletzt erstmals den Schritt Richtung light EMTB gegangen sind, positioniert Orbea sein Rise neuerdings deutlich mehr Richtung Full Power EMTB.

Erstmals spendieren die Spanier dem EP801 RS Motor die vollen 85 Newtonmeter Drehmoment, welche die Hardware leisten kann. Zusätzlich kann das Bike neuerdings sogar mit bis zu 840 Wattstunden Akkukapazität bestückt werden. Es scheint, als wolle Orbea alle bisherigen Einschränkungen, die das alte Rise mit sich brachte, aufheben.

Passend dazu verbreitert sich mit der neuen LT-Version mit 160 mm Federweg an der Gabel auch der Einsatzbereich. Denn die Long Travel-Version ist auf den harten Traileinsatz ausgelegt. Aber kann es diesen auch bestehen? Detaillierte Infos zur SL-Version haben wir in einem separaten Artikel.

Orbea Rise LT Test
Eines der beliebtesten E-MTBs auf dem Markt bekommt mehr Federweg. Das Orbea Rise LT hat jetzt 160 mm an der Gabel und volle 85 Nm Drehmoment.
Orbea Rise Test
Damit ist das Rise erwachsen geworden. Die LT-Version muss sich jetzt auch auf Bikepark-Trails wie hier am Geißkopf behaupten.
Orbea Rise Erfahrung
Erstickt der Fahrspaß im Federweg, oder gelingt es Orbea auch mit dem neuen Rise, den Ruf des Publikumslieblings zu behalten.

Quick Facts zum Orbea Rise

  • Modelle: 2 LT Modelle mit 160/150 mm Federweg; 2 SL Modelle mit 140 mm Federweg
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Preise: von 8.000 € bis 12.000 € (vorerst sind nur Carbonversionen erhältlich)
  • Motor: Shimano EP801 RS (Hardware wie beim EP801; Software kommt aber von Orbea und nicht von Shimano)
  • Akku: 420 Wattstunden (Standard), für 199 € Aufpreis gibt es 630 Wattstunden ab Werk. Zusätzlicher Range Extender mit 210 Wattstunden kostet 499 €. Akku ist fest im Rahmen verbaut.
  • Gewicht: von 16,4 Kilo (SL Version) bis 19,85 Kilo (Topmodell der LT-Version mit 630er-Akku - nachgewogen)
  • Besonderheit: Kurze Kettenstreben, individuelle Lackierung möglich, individuelle Spezifikation möglich, Teleskopstütze mit sehr viel Hub, geringes Gewicht
EMTB-Test Bikepark Geißkopf
Das Orbea Rise scheute während unseres Tests auch nicht davor zurück, den Untergrund zu verlassen.

Shimanos EP801 RS - jetzt mit vollen 85 Nm Drehmoment

Bisher hatte das Orbea immer nur 60 Nm Drehmoment zur Verfügung. Während fast alle Hersteller bei ihren Light-EMTBs auf Motoren von TQ, Fazua und neuerdings auch den Bosch SX setzten, war auch das alte Orbea Rise schon mit einem Shimano EP8 Motor, jedoch mit modifizierter Software unterwegs.

Das Ganze hat dann den Zusatz “RS” bekommen und basierte auf der Fullpower-Hardware. Mit einer softwareseitigen “Drosselung” auf 60 statt möglichen 85 Nm. Durch das verringerte Drehmoment war bei vergleichbar kleinen Akkus dennoch eine tourentaugliche Reichweite möglich.

Wie der Vorgänger kommt auch der neueste EP801 RS Motor mit einer Software aus dem Hause Orbea und nicht von Shimano. Aber man kann den Motor jetzt erstmals auf volle 85 Nm Drehmoment freigeben. Und damit spielt das Orbea Rise erstmals in einer Liga mit den Full Power EMTBs.

Shimano EP801 RS Motor
Die Hardware liefert Shimano mit seinem EP801 Motor. Die Software für den Motor und das Akkumanagement kommt von Orbea. Eine solche Kombination gibt es auf dem Markt kein zweites Mal.

Zwei Softwareprofile zwischen Spaß und Sparsamkeit

Man kann in der Shimano E-Tube App zwischen zwei generellen Softwareprofilen wählen. Achtung, die Profile sind nicht mit den Unterstützungsstufen zu verwechseln. Denn jedes Profil hat wiederum die bekannten Shimano Unterstützungsstufen von ECO bis Boost.

Während das eine Profil auf Reichweite hin optimiert ist, steht im zweiten Profil eine dynamische Kraftentfaltung und maximale Power im Vordergrund. Und dieses zweite Profil lässt sich im Boost Modus jetzt eben auch auf 85 NM maximales Drehmoment einstellen. Wer den alten Ansatz, mit verringertem Drehmoment im RS Motor genial fand, kann auch den neuen Motor in der App so programmieren. Als Biker hat man hier jetzt deutlich mehr Wahlmöglichkeiten als zuvor.

Das Koppeln des Bikes mit der App funktioniert, ist aber kein Selbstläufer. Erstens dauert es relativ lange, bis man ein Bike gekoppelt hat. Zweitens muss man das Bike jedes Mal erneut koppeln, weil es keine dauerhafte Verbindung zur App hält. Das ist etwas blöd, weil man zwischen den beiden Profilen nur mit der App und nicht mit einer Tastenkombination wechseln kann. Die Regelung der Unterstützungsstufen in der App gelingt dafür intuitiv.

Uphill Flow Trail Geiskopf
Mit den vollen 85 Nm Drehmoment lässt sich mit dem Orbea Rise jetzt auch der berühmte Uphill Flow in Angriff nehmen.
Uphill Flow Trail Geißkopf
Vor allem in steilen, technischen Uphill-Passagen ist es essenziell, dass der Motor seine volle Leistung bereitstellt. Sonst war's das mit dem Fahrspaß.

Bis zu 840 Wattstunden sind im Akku möglich.

Jedes Orbea Rise gibt es mit zwei Akkuversionen. Standardmäßig ab Werk ist ein 420er Akku mit 21700 Zellen verbaut. Für nur 200 € Aufpreis bekommt man ab Werk sogar einen 630 Wh Akku. Das Mehrgewicht beläuft sich dabei auf 920 Gramm. Unser Tipp: Der größere Akku lohnt sich auf jeden Fall. Mit den 630 Wattstunden sind laut unserer Erfahrung ca. 1700 hm mit voller Unterstützungsstufe möglich.

Wem das nicht reicht, der kann zusätzlich den Range Extender mit weiteren 210 Wattstunden anschließen. Damit lässt sich auch bei voller Unterstützungsstufe die 2000 hm Marke durchbrechen. Laut Orbea sind im Eco Modus in etwa sogar doppelt so viele Höhenmeter wie im Boost Modus möglich. Das Ganze ist natürlich immer ganz stark davon abhängig, wer wo und wie fährt. Aber die generellen Kapazitäten können sich sehen lassen.

Orbea Rise
Mit dem 630 Wattstunden Akku sind auch lange Touren möglich. Ca. 1700 Höhenmeter sind mit dem großen Akku im Boost drin.

Schade ist, dass die Ladestandsanzeige am Lenker sehr digital funktioniert. Die entsprechende LED bleibt sehr lange auf Grün und fällt dann schlagartig auf Rot. Dann bleiben wirklich nur noch wenige Höhenmeter, bis der Motor in den Notlauf geht.

Ein Punkt, der immer wieder heiß diskutiert wird, ist die Akkuentnahme. Orbea setzt auf einen fest verbauten Akku im Unterrohr. Man kann den Akku bei einem Defekt wechseln, wenn man den Motor ausbaut. Zum normalen Laden muss das Bike aber in die Nähe einer Steckdose.

Ladebuchse Orbea Rise
Die Ladebuchse wird nicht nur per Feder, sondern zusätzlich auch noch mit einem kleinen Zapfen verschlossen. So ist die Elektronik vor Nässe gut geschützt.
Orbea Rise Rahmen
Der Akku sitzt fest verbaut im Unterrohr. Entnehmen kann man ihn nur, wenn man den Motor ausbaut.

Die Akkuoptionen im Überblick:

Akku Preis Gewicht
420 Wh standardmäßig in jedem Bike verbaut 1960 Gramm
630 Wh 199 € Aufpreis im vergleich zum 420er 2880 Gramm
210 Wh (Range Extender) 499 € wenn er mit dem neuen Bike gekauft wird 1037 Gramm

19,85 Kilo bei 160 mm und 630 Wattstunden Akku - Respekt

Die Definition von Light EMTB ist so schwammig, wie ein Putzlappen aus der Küche. Die einen machen die Kategorie am Drehmoment fest, die anderen an der Leistung. Wir finden, ein Light EMTB muss vor allem ein Kriterium erfüllen: Es muss leicht sein! Und an der Waage hat uns das neue Rise tatsächlich überrascht.

Denn mit massiven Double Down Hinterreifen (der im Vergleich zu einer EXO+ Karkasse ca. 200 – 300 Gramm mehr wiegt) und großem 630er Akku bleibt die Waage beim Orbea Rise LT in der LT M Team Version bei 19,85 Kilo stehen.

Orbea Rise Gewicht
Wir wiegen jedes Testbike immer ohne Pedale, um einen vergleichbaren Wert zu erhalten.
Orbea Rise Gewicht
Mit 19,85 Kilo ist das Orbea das leichteste E-MTB mit 160 mm Federweg, 85 Nm Drehmoment und 630er-Akku, das wir je gewogen haben.

Damit ist das Bike nochmal ein gutes Stück leichter als Cannondales Moterra SL. Mit einem 420er Akku knackt das Orbea Rise sogar die 18-Kilo-Marke und ist damit leichter als das Santa Cruz Heckler SL. Im Vergleich zu Full-Power-Boliden wie dem Cube Stereo Hybrid One55 spart man sich bei etwas weniger Akkukapazität ca. 3 Kilo.

Stöpselt man den Range Extender an, ist man trotz mehr Kapazität immer noch 2 Kilo leichter. Man muss bei diesem Vergleich aber auch berücksichtigen: Das Cube ist deutlich günstiger. Dennoch schafft Orbea ohne Kompromisse bei der Ausstattung ein sehr gutes Gewicht, das mit dem Akku, Federweg und Motor derzeit kein anderer Hersteller hinbekommt.

Bike Gewicht Federweg Motor Akku Maximales Drehmoment Preis
Specialized Turbo Levo SL 17,6 Kilo 160 / 150 mm Specialized SL 1.2 320 Wh 50 NM 14.000 €
Mondraker Neat 17,99 Kilo 160 / 150 mm TQ HPR 50 360 Wh 50 NM 11.999 €
Santa Cruz Heckler SL 19,3 Kilo 160 / 150 mm Fazua Ride 60 430 Wh 60 NM 10.999 €
Focus Jam² SL 19,7 Kilo 160 / 150 mm Fazua Ride 60 430 Wh 60 NM 6.999 €
Orbea Rise LT M Team 19,85 Kilo 160 / 150 mm Shimano EP801 RS 630 Wh 85 NM 11.199 €
Cannondale Moterra SL 19,9 Kilo 160 / 150 mm Shimano EP801 600 Wh 85 NM 9.999 €
Cube Stereo Hybrid One55 22,7 Kilo 160 / 150 mm Bosch CX 750 Wh 85 NM 6.999 €
Liteville 301 CE 22,7 Kilo 170 / 170 mm Shimano EP801 725 Wh 85 NM 10.399 €

Die schärfsten Konkurrenten des Orbea Rise

Zuletzt hat Cannondale mit dem Moterra SL erst ein ähnliches Konzept mit voller Motorpower und einem Gewicht unter 20 Kilo vorgestellt. Das Moterra SL hat Mullet-Laufräder und einen 600er-Akku. Allerdings ist es dort nicht möglich, einen Range Extender anzustecken. Hier ist das Orbea nicht nur flexibler, sondern trotz minimal größerem Akku und schwererem Double Down-Hinterreifen etwas leichter.

Cannondale Moterra SL
Das Cannondale Moterra SL war im Frühjahr 2024 Vorreiter. Als superleichtes Full Power EMTB bringt es ebenfalls unter 20 Kilo bei einem 600er Akku auf die Waage.
Santa Cruz Heckler SL
Mit Sicherheit einer der stärksten Konkurrenten: Das Santa Cruz Heckler SL mit Fazuas Ride 60 Motor. Das größte Manko: Noch gibt es keinen Range Extender für das System mit 430 Wh Akku.
Specialized Turbo Levo SL
Die Leichtbau-Ikone. Mit kleinem 320er Akku haben wir das Turbo Levo SL mit 17,6 Kilogramm gewogen. Ein Wert, der nicht nur auf der Waage, sondern vor allem auf dem Trail begeistert.

Wir haben die stärksten Konkurrenten, wie das Santa Cruz Heckler SL oder das Cannondale Moterra, nicht nur getestet, sondern ermöglichen in unserem Vergleichstool auch, die Geometrie oder Ausstattung im Eins-zu-eins-Vergleich gegenüberzustellen.

Spannende Details am Orbea Rise

Nicht nur am Rahmen, sondern auch bei der Ausstattung hat das Orbea Rise Details, die zeigen, dass Herzblut in diesem Bike steckt. Ein integriertes Minitool, gut abgeklebte Kettenstreben oder viel Reifenfreiheit am Hinterrad hinterlassen einen durchweg stimmigen Eindruck. DT Swiss spezifische E-MTB Naben und breite Carbonfelgen runden diesen Eindruck ab. Das Rise ist kein schneller Schuss aus der Hüfte, sondern ein Bike, wo jedes Detail genau durchdacht ist. Im Online-Konfigurator hat man auch noch die Möglichkeit, die Ausstattung auf individuelle Vorlieben anzupassen.

Zugführung Orbea Rise
Die Leitungen für Sattelstütze und Bremse verlegt Orbea durch den Steuersatz. So wirkt das Cockpit aufgeräumt.
Minitool Orbea
Sieht unscheinbar aus, aber hier, in der Achse des Umlenkhebels, versteckt Orbea ein Minitool.
Minitool Orbea
Das Tool wird per Magnet im Rahmen gehalten und hat die wichtigsten Inbusschlüssel sowie einen 25er Torx-Schlüssel. Ein Kettennieter fehlt leider.
Kettenstrebenschutz
Mittlerweile bei den meisten Herstellern Standard: Üppige Gummischoner zum Schutz der Kettenstrebe und gegen die Lärmentwicklung.
Reifenfreiheit Orbea Rise
Im Hinterbau ist genügend Platz, um den 2,4er gegen einen 2,5er oder sogar 2,6er Reifen auszutauschen.
DT Swiss Hybrid 350 Naben
Orbea verbaut Naben aus dem E-Bike Portfolio von DT Swiss. Diese sind auf die stärkere Belastung durch den Motor ausgelegt.
OQUO Carbon-Felgen
Die wuchtigen Carbonfelgen von Orbeas Eigenmarke OQUO haben während unseres Tests nicht nur einen harten Durchschlag im Bikepark gut weggesteckt.

Liefert das Orbea Rise Uphill Flow?

Um die Frage zu klären, waren wir sogar extra am legendären Uphill-Flow Trail am Geiskopf unterwegs. Dabei wurde klar: Der Shimano EP801 gibt schon bei geringen Trittfrequenzen die volle Power. Das war zuletzt ein Punkt, den wir bei den Bosch SX Modellen im Gelände immer wieder kritisiert haben.

Die Kraftentfaltung des EP801 RS ist stets harmonisch. Da reißt nichts hart an oder ruckelt. Allerdings schiebt der Motor, wenn man nach starken Antritten aufhört zu treten, etwas nach. Das ist angenehm, wenn man bergauf in eine Sektion kommt, wo man mal einen Tritt auslassen muss. Wobei das mit den kurzen 165mm Kurbeln nur selten ein Problem ist. Nicht so geil ist das, wenn man nicht damit rechnet.

Bergauf muss sich das neue Rise jedenfalls nicht mehr hinter Full Power E-MTBs verstecken, sondern spielt mit ihnen in einer Liga. Vorausgesetzt man konfiguriert den Motor so vor. Wer das nicht möchte, kann auch im Stromsparmodus die Berge hochtreten. Hier hat man im Vergleich zum Vorgänger jetzt die freie Wahlmöglichkeit und wird nicht mehr ab Werk bevormundet. Man kann es auch kurz sagen: Das neue Rise kann Uphill-Flow! Allerdings muss man dabei ein deutlich hörbares Motorengeräusch, welches der Shimano Motor unter Last generiert, akzeptieren. Leiser sind nur die Motoren von Fazua und TQ.

EMTB Uphill Test
Fahrspaß - bergauf, wie bergab. Mit diesem Versprechen gehen Full Power EMTBs auf Kundenjagd. Wer den Uphill Flow Trail am Geißkopf einmal gefahren ist, merkt: Das Versprechen verfängt.
EMTB Uphill Test
Der Powerturn. Stefan Schlie zieht in schöner, aber der Versuch zeigt: Mit dem EP 801 RS sind echte E-MTB Fahrmanöver möglich.

Shimanos Di2-Schaltung – nett, aber technisch unterlegen

Neben den generellen Fahreigenschaften des Bikes im Anstieg fällt auf, dass Shimanos Di2-Schaltung mit Gangwechseln unter Last zu kämpfen hat. Lautes Krachen ist dabei Standard. Wer zu viele Gänge auf einmal schaltet, riskiert auch, dass die Kette auf das kleinste Ritzel oder sogar zwischen Rahmen und Kassette fällt.

Auch wenn die Free Shift Funktion, mit der man im Rollen schalten kann, oder die Halbautomatik (Auto Shift) nett sind, muss man ganz klar sagen: Diese Schaltung ist den Srams Transmission Antrieben in Präzision und Funktion unterlegen. Erstaunlich, dass sich Shimano hier vorführen lässt.

Die klassische, mechanische Shimano-Schaltung vom Orbea Rise M10 Modell ist womöglich sogar die bessere Wahl, weil sie weniger Möglichkeiten für Fehlschaltungen bietet. Zudem sind die mechanischen Komponenten etwas robuster. Vor allem der elektronische Di2-Schalthebel hinterlässt in unserem Test nicht den Eindruck, als würde er eine harte Saison im Einsatz überleben.

Shimano XT Di2 Schaltung
Shimanos elektronische Di2-Schaltung konnte uns im Test nicht restlos überzeugen. Sie hat nette Funktionen, aber SRAMs Transmission Antriebe funktionieren einfach besser.
Shimano XT Di2 Schaltung
Der Di2-Schalthebel hat eine gute Haptik. Allerdings vibrieren die Taster bei der Fahrt auf Teer leise und machen keinen superrobusten Eindruck.

Hämmertime - erstaunlich, was bergab geht

Wir haben das Bike nicht nur auf zahmen Trails im Altmühltal getestet, sondern waren damit auch ernsthaft im Bikepark Geiskopf unterwegs. Dabei hat sich schon auf den ersten Metern im Trail herauskristallisiert: Die Kombi aus erstklassigem Fahrwerk, mächtigen Reifen und starker XTR Bremse weckt viel Vertrauen. Auch der üppige Verstellbereich der Teleskopstütze von 250 mm zahlt im Gelände auf ein sicheres Fahrverhalten ein.

Mit der weichen Gummimischung am Vorderrad und dem guten Double Down Pannenschutz im Heck traut man sich auch in verblockten Passagen voll draufzuhalten. Die Carbonfelgen von Orbeas Hausmarke haben dabei nicht nur einen Durchschlag überlebt.

Fox Transfer
250 mm Hub bei Rahmengröße L. Mehr Verstellbereich geht nicht. Möglich wird das auch durch das kurz gehaltene Sitzrohr des Rahmens.
Shimano XTR Bremse
Selbst am Hinterrad setzt Orbea auf eine 200er-Bremsscheibe. In Kombination mit Shimanos XTR 4-Kolben-Bremse hat man ausreichend Power in jeder Situation.
Maxxis Double Down Reifen
Am Reifen wurde an unserem Testbike nicht gespart. Im Orbea-Konfigurator kann man zwischen verschiedenen Reifenoptionen wählen. Wir hatten eine dicke Double Down-Karkasse für den nötigen Pannenschutz.

Das Fahrwerk hat dabei einen sportlichen Charakter. Beim Pushen durch Anlieger versinkt das Bike nicht im Federweg, sondern gibt guten Gegendruck. Sportliche Fahrer werden das lieben. Komfortorientierte E-Biker sollten die Druckstufen der Fox-Federelemente nahezu offen fahren. Sonst ermüdet einem das Feedback des Fahrwerks doch relativ schnell.

Im Gegensatz zum Hauptrahmen fällt der Hinterbau nicht super steif aus. So hat das Hinterrad bei der Linienwahl eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Das macht vor allem das Fahren im verblockten Gelände etwas angenehmer.

Praxistest Orbea Rise
Das Fahrwerk steht auch bei der Fahrt durch die Anlieger hoch im Federweg. So lässt sich das Bike aktiv fahren.
Praxistest Orbea Rise
In rumpeligen Trail-Passagen kommt der nicht zu steife Hinterbau positiv zur Geltung. Hier sucht sich das Hinterrad seine Linie.

Geometrie überrascht mit kurzen Kettenstreben

Mit dem 480 mm langen Reach in Größe L und dem 64 Grad flachen Lenkwinkel ist die Geometrie aufs Ballern ausgelegt. Je mehr man dem Bike die Sporen gibt, desto wohler fühlt es sich. Schnelle Geraden oder offene Kurven liebt das Bike. Wer es gerne etwas handlicher hat, kann das Bike auch über einen Flip-Chip etwas steiler stellen.

Vor allem, wenn man das Vorderrad anlupfen will, kommen die kurzen 440er-Kettenstreben zur Wirkung. Denn damit lässt sich ein Manuel oder Bunny Hop deutlich besser als mit anderen EMTBs einleiten. Derart kurze Kettenstreben schaffen andere Hersteller nur mit einem kleinen 27,5er-Hinterrad. Orbea packt das mit einem 29er-Hinterrad und dazu muss man Orbea wirklich gratulieren.

SIZE XXS XS S M L XL XXL
Hersteller-Größenbezeichnung
-
-
S
M
L
XL
-
Laufradgröße
-
-
29
29
29
29
-
Stack
-
-
619
623
633
642
-
Reach
-
-
430
455
480
505
-
Oberrohrlänge
-
-
570
614
620
647
-
Sitzrohrlänge
-
-
405
415
430
460
-
Sitzwinkel
-
-
77
77
77
77
-
Steuerrohrlänge
-
-
95
100
110
120
-
Lenkwinkel
-
-
64
64
64
64
-
Tretlagerabsenkung
-
-
34
34
34
34
-
Tretlagerhöhe (absolut)
-
-
-
-
-
-
-
Kettenstrebenlänge
-
-
440
440
440
440
-
Radstand
-
-
1203
1230
1259
1287
-
Überstandshöhe
-
-
-
-
-
-
-

Bergab waren wir überrascht. Obwohl die Hardware des EP801 RS baugleich mit der des EP801 ist, haben wir das typische Getriebeklappern in der Abfahrt an diesem Bike kaum wahrgenommen. Vielleicht liegt es daran, dass der Motor wirklich brandneu war. Vielleicht hat man in der Zusammenarbeit mit Orbea aber auch eine Lösung gefunden, die nervige Geräuschkulisse unterhalb der Schwelle des Wahrnehmbaren zu drücken. Wie auch immer, der Shimano EP801 RS ist bergab deutlich leiser als man das von anderen Shimano- oder auch Bosch-Motoren gewohnt ist.

Praxistest Orbea Rise
Das Klappergeräusch des Motors in der Abfahrt fällt deutlich leiser aus, als man das von Shimano-Motoren gewohnt ist. Auf dem Trail war es während unseres Tests kaum wahrnehmbar.

Unsere Tipps nach dem Test zum Orbea Rise

  • Akku: Nimm den größeren 630er, für 199 € Aufpreis ist das ein fairer Deal für mehr Reichweite.
  • Software: Nutze die Individualisierungsmöglichkeiten, welche die App liefert. Wir haben uns im sportlicheren Modus die Boost Unterstützungsstufe als Dampfhammer gebaut und die Eco Unterstützung voll auf Energieersparnis getrimmt. So kann man die Vielfalt des neuen Rise voll auskosten.
  • Modellwahl: Greif zum M10 Modell. Für 2500 € weniger ist es mit Sicherheit ein guter Deal, weil man auf die Di2-Schaltung von Shimano sehr gut verzichten kann. Fahrwerk, Rahmen und Motor bleiben die gleichen.

Ladies and Gentlemen, the Editor's Choice Award goes to...

Mit unseren Portalen emtb-test.com, bike-test.com und kids-bike-test.com haben wir über 5000 Räder nach einheitlichen Kriterien bewertet. Dabei beschäftigen wir uns nicht nur mit dem Status quo der Branche, sondern begleiten auch die technische Entwicklung der Mountainbike-Industrie.

Bei unserer Arbeit wird immer wieder klar, dass es zwar jede Menge Mountainbikes auf dem Markt gibt, aber nur die wenigsten Modelle verschieben die Grenzen des technisch Machbaren wirklich. Aber genau diese Modelle wollen wir mit unserem Editor’s Choice Award auszeichnen. Orbea akzeptiert mit dem neuen Rise nicht den aktuellen Stand der Technik und wird damit einen Trend einleiten, der in ein bis zwei Jahren erst seine volle Wirkung entfalten wird.

Denn mit 630 Wattstunden Akku, 160 mm Federweg und vollen 85 Nm Drehmoment bei 19,85 Kilo vereint das neue Rise LT eine beeindruckende Kombination an Fakten, die es so kein zweites Mal gibt. Und es macht damit klar: Full-Power-EMTBs werden in Zukunft leichter werden.

Zudem lassen sich alle Rise Modelle von der Lackierung, über die Akkuoption bis hin zu Ausstattungsdetails hochgradig individualisieren. Auch hier sind die Spanier mit ihrer MyO-Lösung den allermeisten Konkurrenten einen guten Schritt voraus. Während unserem ausgiebigen Praxistest hat uns das Orbea Rise LT bewiesen, dass es mit seinen beeindruckenden Fakten kein Blender auf dem Papier ist. Es hebt sich auf dem Trail von anderen Bikes deutlich ab und deshalb verleihen wir dem Rise als erstes EMTB überhaupt unseren Editor’s Choice Award.

Ride Better Bikes Editor's Choice Award
Das neue Orbea Rise ist ein herausragendes Bike. Es kombiniert viel Federweg, einen 630 Wh großen Akku und stabile Reifen bei einem erstaunlichen Gewicht von unter 20 Kilo. Damit hat sich dieses Bike als erstes E-MTB überhaupt unseren Editors Choice Award verdient.
Ride Better Bikes Editor's Choice Award
Mit unserem Editors' Choice Award küren wir Bikes, die aus der Masse des Marktes herausstechen und einen besonderen Meilenstein in der technischen Entwicklung markieren.
Ludwig Döhl
Ludwig Döhl freut sich, den ersten Editors' Choice Award bei den EMTBs vergeben zu dürfen. Bisher waren EMTBs immer mit einem großen Kompromiss behaftet. Das Rise zeigt, dass es sich aber lohnt, den aktuellen Status quo zu hinterfragen und auf ein neues Level zu heben.

Fazit zum Orbea Rise LT

Kein anderes EMTB mit 85 Nm Drehmoment schafft es, 160 mm Federweg bei einem 630 Wh Akku mit einem Gewicht von 19,85 Kilo zu kombinieren. Die zusätzliche Option auf den 210 Wattstunden Range Extender macht lange Touren möglich. Hier gelingt Orbea ein echtes Husarenstück.

Die Geometrie und Ausstattungsdetails wie die durchdachte Reifenwahl oder die Teleskopstütze mit 250 mm Hub zeigen, dass man bei Orbea weiß, worauf es wirklich ankommt. Und damit hat sich Orbea unseren Editor’s Choice Award verdient. Ein Wermutstropfen bleibt beim Topmodell dennoch: Die Shimano Di2-Schaltung hat uns, trotz netter Funktionen, nicht restlos überzeugt.

Alle Orbea Rise Modelle auf einen Blick

Das Orbea Rise gibt es in 4 Ausstattungsvarianten ab 8.000 Euro. Zudem gibt es jede Version des Rise mit 420er oder 630er Akku. Wir haben einen Blick auf alle Optionen geworfen. Mit dem Pfeil-Symbol Bikes direkt vergleichen, könnt ihr die einzelnen Modelle auch in den Vergleich mit jedem anderen Bike aus unserer großen Marktübersicht ziehen.

Über den Autor

Ludwig

... hat mehr als 100.000 Kilometer im Sattel von über 1000 unterschiedlichen Mountainbikes verbracht. Die Quintessenz aus vielen Stunden auf dem Trail: Mountainbikes sind geil, wenn sie zu den persönlichen Vorlieben passen! Mit dieser Erkenntnis hat er bike-test.com gegründet, um Bikern zu helfen, ein ganz persönliches Traumbike zu finden.

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